Der Plan zur Übernahme und Restrukturierung der europäischen Opel- und Vauxhall-Werke durch den österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna sah offenbar von Anfang an vor, eines dieser Werke zu schließen. Dass dies ausgerechnet Antwerpen treffen soll, entbehre jeder Logik, betont der Premierminister der flämischen Regionalregierung, Kris Peeters. »Nach ökonomischen Kriterien ist Antwerpen meiner Überzeugung nach etlichen Standorten in Deutschland überlegen.«
Das soll laut Medienberichten auch aus einer Analyse des früheren Mutterkonzerns General Motors hervorgehen, laut der beispielsweise Bochum deutlich hinter Antwerpen rangiert. Die flämische Regionalregierung und die belgische Nationalregierung stehen seit Tagen im ständigen Kontakt miteinander sowie auch mit den Gewerkschaften. »Alle sind sich einig, dass Opel Antwerpen eine faire Chance zum Überleben bekommen muss«, sagt Rudi Kennes von der Gewerkschaft ABVV-FGTB.
In Flandern steht viel auf dem Spiel. Das Werk in Antwerpen, wo der Astra montiert wird, repräsentiert 2600 Arbeitsplätze und noch einmal so viele bei Zulieferbetrieben. Die geografische Lage in unmittelbarer Nähe des Hafens, die Flexibilität der Belegschaft und die finanzielle Unterstützung durch die flämische Region sprechen für den Standort, heißt es unisono von Direktion und Betriebsrat. So sehen das auch die Politiker in Antwerpen und Brüssel. Sie sind besonders empört über die von Berlin in Aussicht gestellten 4,5 Milliarden Euro zum Erhalt aller Opel-Standorte in Deutschland. Die flämische Region kann dem für den Standort Antwerpen nur magere 500 Millionen Euro entgegensetzen. »Ich habe den Eindruck, dass die deutsche Regierung nur auf den eigenen Vorteil aus ist«, erklärt die belgische Arbeitsministerin Joelle Milquet. »Koordinierte europäische Politik und Solidarität unter den EU-Mitgiedsländern – das sähe anders aus!«
Der belgische Regierungschef Herman Van Rompuy und der flämische Regierungschef Peeters haben die EU-Kommission aufgefordert zu prüfen, ob die Beihilfen der deutschen Regierung, die zudem mitten im Wahlkampf steht, rechtens sind. In Brüssel habe man versichert, dass »nur ökonomische Maßstäbe für die Entscheidung ausschlaggebend sein« werden.
Während die Politiker noch alle Register ziehen und die Gewerkschaften nachhaltig ein Treffen mit der Magna-Direktion fordern, um aus erster Hand etwas über deren Absichten zu erfahren, macht sich im Opel-Werk in Antwerpen bereits Resignation breit. Die Zeitung »Le Soir« wundert sich in einem Kommentar: »Da hat man 2600 Arbeitern angekündigt, dass ihr Werk schrittweise geschlossen werden soll – und nichts passiert. In jedem anderen Werk wäre die Belegschaft längst in den Streik getreten und hätte zum Zeichen des Protests vor dem Werktor Paletten angezündet. Hier – nichts dergleichen.« Da das Antwerpener Werk das kleinste und schwächste Glied der Gruppe in Europa sei, wären Kampfaktionen »gleichbedeutend mit Selbstmord«. Die Hoffnungen der Gewerkschaften, angesichts der hohen Flexibilität des Werks in Antwerpen dem Vorbild einer Magna-Fabrik in Österreich zu folgen, wo für verschiedene Automarken Kabrios und Geländewagen gebaut werden, seien »bislang nicht mehr als Wunschträume«.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Obama und der Opel-Verkauf General-Motors-Führung entschied nicht ganz unabhängig
Opel-Entscheidung vertagt Mutterkonzern GM will sich noch immer nicht festlegen
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