Die Aufregung ist groß. Iran baut bereits seit Monaten an einer zweiten Atomfabrik und hätte dies der internationalen Nuklearbehörde schon viel eher gemeldet haben müssen. Die Forderung Obamas und anderer nach schnellstmöglichem Zugang für Inspekteure ist deshalb vollauf gerechtfertigt. Soweit der sachliche Teil der Verlautbarungen zum Fall Iran. Der – größere – Rest hat sehr viel mit Heuchelei zu tun.
Sie beginnt damit, dass die von Ahmadinedschad selbst verkündete »Neuigkeit« für östliche wie westliche Geheimdienste, einschließlich der israelischen, keine gewesen sein dürfte. Warum sie, die ja nicht für proiranische Freundschaftsdienste bekannt sind, schweigsam blieben, können nur sie selbst erklären. Erklären müssten auch Obama, Merkel und andere, warum sie eine derartige Empörung über »Irans Bombenfabrik« zu vermitteln gedachten und gleich wieder mit Sanktionen sowie, von Israel assistiert, »der militärischen Option« drohten.
Das ist nach dem erst zwei Tage alten Abrüstungssignal ein Rückfall in Bush-Muster. Wer drei Tage vor einer neuen Gesprächsrunde sein Gegenüber mit ultimativen Drohungen belegt, muss an der Ernsthaftigkeit seiner Verhandlungsbereitschaft zweifeln lassen. Und ebenso, wer eine – tatsächlich bestehende – Gefahr für den gesamten Mittleren Osten beklagt, aber die israelische Kernwaffenrüstung, die es ja schon 20 Jahre länger gibt, nicht mit einem einzigen Wort erwähnt.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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