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02.10.2009

Lachend durch den Kalten Krieg

Bei kabarettistischer Städtetour führen Ost- und Westpolizisten durch Berlin

Zum Thema »Kalter Krieg« gibt es viele Städtetouren. Erstmalig wird nun eine als Streitdialog zwischen einem Westberliner Polizisten und einem Ostberliner Grenzer veranstaltet. Zu Fuß, mit Schauspiel, Kabarett und Live-Musik führen Bert Karagan und Karsten Hemmerling durch Berlins Mitte. Mit Bert Karagan sprach Sigrid Lehmann-Wacker.

ND: Gibt es nicht schon genug Stadtführungen zum Thema Berlin und Mauer?
Karagan: Doch! Das Thema ist in den Medien schon so lange durchgekaut worden, dass es einem zum Halse raushängt. Dabei interessiert nur, die heutige Gesellschaft als einzige Alternative zur damaligen DDR und BRD darzustellen. Die Menschen aber spüren, dass es nur um das kleinere Übel geht, welches mit Bankenkrise und Afghanistaneinsatz gerade enorm anwächst. Wir versuchen das Thema »Kalter Krieg« gegen den Strom darzustellen.

Sie haben sich für die Tour ein kreatives Konzept ausgedacht. In einem Dialog zwischen einem Ostler und einem Westler zeigen Sie das Hüben und Drüben aus beiden Blickwinkeln. Sie teilen also nach beiden Seiten aus.
Ja, ich bin in der DDR aufgewachsen und spiele von daher auch den Grenzsoldaten. Mein Kollege und Freund Karsten ist gebürtiger Westberliner und spielt den Polizisten aus Westberlin. Dabei schenken wir uns gegenseitig nichts und ironisieren die jeweilig angesagten Tugenden und die Doppelmoral.

Wie präsentiert ihr den Kalten Krieg?
In einigen informativen Kurzmonologen, in kabarettistischen Theaterdialogen und mit Live-Musik aus der eigenen Feder. Wir spielen im Schlagabtausch den damaligen Streit zwischen den Welten – makaber, unproduktiv und hysterisch wie er war. Wir zeigen damit, dass die Menschen damals wie heute Geiseln schlechter politischer Machtkämpfe sind.

Was ist für Sie der wichtigste Inhalt der Tour?
Der Zwiespalt, den die Mauer damals symbolisierte, existiert immer noch – die Konkurrenz zwischen den Menschen, die Mauer der sozialen Spaltung. Wir leben immer noch unter wenig befriedigenden Bedingungen: Die Wahl zwischen Hartz IV und immer krasseren Arbeitsverhältnissen ist keine wirkliche Wahl. Damit setzt sich die Suche der Menschen von heute nach einer Alternative zum Kapitalismus fort.

Der Westler beschwert sich in eurem Spiel auch über seinen Gegner im Osten. Der Sozialismus sei doch nur noch ein Hänfling, den er vor seinen Bürgern als Schreckgespenst aufblasen müsse, um sich selbst zu legitimieren.
Ja, und der neuen BRD fehlt der alte Gegner und so muss sie den neuen am Kundus und auch im eigenen Volk finden. Der Sozialismus ist erledigt, das ist mit dem Ende der DDR klar, und wir spielen dieses Ende als den unverdaulichen Brocken im Hals der neuen Gesellschaft.

Bei der kabarettistischen Tour greift sich der »Ossi« die Coca-Cola-Dose des »Wessis« und belehrt ihn: »In dieser kleinen Dose sind zwölf Würfel Zucker, die dem Volk Körper und Geist vergiften!«
Wir hoffen, dass die Teilnehmer über uns und über sich lachen und außerdem zum Nachdenken angeregt werden.

Sich von allgegenwärtigen Klischees über die deutsch-deutsche Geschichte zu befreien, kann nur gut sein.

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