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Klaus Joachim Herrmann 08.10.2009 / Berlin / Brandenburg
Personalie

Von links

Udo Wolf ist neuer Chef der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

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Der neue Fraktionschef der LINKEN im Berliner Abgeordnetenhaus kommt von links. Er gehörte von 1981 bis 1986 der vornehmlich noch in Nachschlagewerken verfügbaren Gruppe Internationaler Marxisten an. Der Marsch durch Parteien und Institutionen führte ihn zur Alternativen Liste Berlin (1984 bis 1990), als Mitarbeiter in die Bundesgeschäftsstelle der Grünen (1990-1991) und 1993 zur PDS-Mitgliedschaft. Dienstagabend wurde der bisherige Stellvertreter mit 17 Ja-Stimmen von 22 Abgeordneten ihr Spitzenmann.

Bislang eher unauffällig, wenn auch stets präsent, tritt Wolf nun unübersehbar nach vorn. Er trägt Anzug auch ohne Krawatte – vor allem jedoch ein Konzept mit sich. Das setzt nach den Berliner Wahlen im Jahre 2011 weiterhin auf Rot-Rot, vielleicht auch Rot-Rot-Grün. Verhandlungssicher ist der 47-Jährige, an parlamentarischer Erfahrung mangelt es ihm nicht. Insgesamt acht Jahre lang war der Mann aus Frankfurt am Main, der mit 18 Jahren an die Spree kam, Fraktionsvize. Zudem gehört er mehreren Ausschüssen als Mitglied an. Als seine besonderen Stärken müssen Inneres und Integration gelten.

Damit ist er ein geschulter Redner. Wolf formuliert präzise und ausgewogen, auch ziemlich knapp. Nicht immer ist das Lächeln, das um die Mundwinkel spielt, so recht deutbar. Wer glaubt, Wolf sei zu unauffällig, dem berichten Kenner gern von Streitbarkeit und sehr klaren Worten. Gelassen bleibt er bei Fragen nach seinem großen Bruder und Genossen, dem Berliner Bürgermeister und Wirtschaftssenator Harald Wolf. In dessen Schatten sieht er sich nicht, sie seien eben beide »eigenständige Persönlichkeiten«.

Eine persönliche Bedeutung bekommt für den Politiker nun seine auf Berlin gemünzte Aussage, es seien politische Spielräume erkämpft worden, die es für die Zukunft zu nutzen gelte. Pragmatiker ist Udo Wolf, er gehört dem Reformer-Bündnis der Linkspartei »Forum demokratischer Sozialismus« an. Nach dem Abitur 1981 studierte er Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin, und er ist ein längst alteingesessener Kreuzberger. Beides dürfte seine Grundüberzeugung gefördert haben, dass Berlin eine tolerante und weltoffene Stadt sein muss.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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