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Von Martin Koch
10.10.2009

Die Uhr im Innern

Medizinpreis für Erforschung der Zellalterung

In diesem Jahr wurde der 100. Nobelpreis für Medizin vergeben. Und es gab eine Premiere: Erstmals erhielten in dieser Sparte gleich zwei Frauen die begehrte Auszeichnung. Ansonsten verlief alles wie gehabt. US-Amerikaner räumten in Stockholm die meisten Preise ab.

Der erste Medizin-Nobelpreis wurde bekanntlich 1901 vergeben: an den deutschen Bakteriologen Emil von Behring für die Entwicklung einer Serumtherapie gegen Diphtherie. Dass wir dennoch in diesem Jahr erst die 100. Ehrung in der Sparte Medizin feiern, hat einen einfachen Grund: Von 1915 bis 1918 sowie 1921, 1925, 1940, 1941 und 1942 fand keine Preisverleihung statt.

Im Jahr 2009 ist der Nobelpreis mit knapp einer Million Euro dotiert und geht in der Kategorie Medizin zu gleichen Teilen an Elizabeth Blackburn (60), Carol Greider (48) und Jack Szostak (56). Alle drei sind in den USA tätig und erforschen dort seit Jahren die Endteile der Chromosomen, die sogenannten Telomere (griech.: telos = Ende, meros = Teil). Diese bestehen aus tausendfach sich wiederholenden Nukleotidsequenzen und verhindern, vergleichbar den Plastikkappen beim Schnürsenkel, dass die Chromosomen an ihren Enden ausfransen oder sich gegenseitig verbinden.

Aber auch bei der Zellteilung spielen die Telomere eine wichtige Rolle. Fehlen nämlich die molekularen Schutzkappen, kann das Erbgut nicht exakt verdoppelt werden, und die Zelle stirbt. Normalerweise verlören die Chromosomen bei jeder Zellteilung ein Stückchen von ihrer Substanz. Dass dies nicht geschieht, ist ebenfalls den Telomeren geschuldet, die sich stattdessen verkürzen. Sie sterben gleichsam den Opfertod, um den Erhalt der lebenswichtigen Erbinformation zu sichern. Nur leider geht die Verkürzung der Telomere mit einer Zellalterung einher. Oder, um die frischgebackene Preisträgerin Elizabeth Blackburn zu zitieren: »Wenn die Zellen keine Telomere mehr haben, dann sind die Chromosomen ungeschützt und die Zellen können sich nicht mehr erneuern. Die Zellteilung ist zu Ende, die Folge ist das Altern.« Dass Menschen älter werden, liegt folglich nicht nur am fortschreitenden Verschleiß ihrer Organe, sondern steckt als Programm von Natur aus auch in den Körperzellen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass defekte Telomere die Ursache für verschiedene Erbkrankheiten sind.

1984 konnten Blackburn und ihre damalige Doktorandin Greider nachweisen, dass die Abnutzung der Telomere kein unumkehrbarer Prozess ist. Sie isolierten das Enzym »Telomerase«, welches die Fähigkeit besitzt, verkürzte Telomere wieder zu verlängern. Allerdings bringt dieser molekulare Jungbrunnen einige Probleme mit sich. Erstens findet man ihn nur in Zellen, die sich dauerhaft erneuern wie Haut- und Schleimhautzellen. Und zweitens ist die Telomerase in Krebszellen besonders aktiv, die sich deshalb immer weiter teilen und vermehren.

Nach Auffassung des Nobel-Komitees haben die drei Preisträger den Grundstein gelegt für neue Therapieansätze gegen Krebs ebenso wie gegen die unerwünschten Folgen des Alterns. Tatsächlich wird, um den Gewinn verheißenden Traum vieler Menschen von einem möglichst »altersfreien« Leben zu realisieren, in der Pharmaindustrie bereits fieberhaft nach Telomerase-Medikamenten gesucht, die dazu dienen sollen, kürzer gewordene Telomere in den Zellen wieder zu verlängern. Bei der Einnahme solcher Medikamente besteht jedoch die Gefahr, dass die Zellen zu Krebszellen entarten. Andere Forschergruppen untersuchen deshalb, ob die Telomerase-Aktivität in Tumoren gezielt gehemmt werden kann, so dass die Krebszellen absterben. Experten warnen gleichwohl vor überzogenen Hoffnungen. »Früher sind bei ähnlichen Nobelpreisen 30 Jahre vergangen, bis die neuen Erkenntnisse praktische Auswirkungen für Patienten hatten«, sagt Nils-Göran Larsson, der als Mitglied des Stockholmer Karolinska-Instituts maßgeblich an der Preisverleihung in der Sparte Medizin beteiligt war. In der Fachwelt, auch das sei abschließend noch erwähnt, wurde die Entscheidung der Nobel-Juroren einhellig begrüßt.

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