Geo-Engineering – so heißt das Zauberwort, mit dem man technische Lösungen zum Schutz vor der Klimaerwärmung anpreist. An der Diskussion über solche vermeintlichen Lösungen komme man kaum noch vorbei, meint Konrad Ott, der an der Uni Greifswald Umweltethik lehrt. Insbesondere in den USA werben jene Kräfte, die noch vor kurzem systematisch Zweifel an den Erkenntnissen der Klimawissenschaftler und der Bedrohung durch den Klimawandel säten, nun aggressiv für gezielte Eingriffe in das Klimasystem. Da drängt sich der Verdacht auf, dass es vor allem darum geht, mit dem Verbrauch von Öl und Kohle noch ein paar Jahrzehnte wie bisher weitermachen zu wollen.
Den Eindruck scheint auch der Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie Martin Clausen zu haben. Für ihn sind diese Eingriffe wie das gleichzeitige Treten von Gas- und Bremspedal beim Autofahren. Was passiere, wenn man vom Bremspedal abrutscht, weil zum Beispiel die Folgen eines Eingriffs falsch eingeschätzt worden waren, oder unerwartete Nebenwirkungen auftreten? Bei einem so komplexen System wie dem Klima sind derlei Fragen alles andere als hypothetischer Natur.
Ott und Clausen diskutierten am Mittwochabend auf Einladung der »Zeit« und des Deutschlandfunks gemeinsam mit anderen Experten über das Thema. Dabei überwog vor allem die Skepsis, wenn auch die meisten, wie Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, weitere Forschung auf diesem Gebiet fordern. Für den Fall, dass die Emissionen nicht ausreichend reduziert werden können, brauche man einen Plan B. Smetacek ist einer der Verantwortlichen des umstrittenen Lohafex-Projekts, mit dem deutsche und indische Wissenschaftler in antarktischen Gewässern die Möglichkeiten der Algendüngung testen. Die völkerrechtliche Zulässigkeit des Experiments ist umstritten.
Für Ott steht fest, dass die Forschung auf den verschiedenen Gebieten des Geo-Engineerings auf jeden Fall mit einem breiten gesellschaftlichen Dialog verbunden werden muss. In diesem wäre zu klären, welche Eingriffe, wenn überhaupt, vertretbar sind. Außerdem sieht er, wie auch Gernot Klepper, Sprecher des Kiel Earth Institute und Vorsitzender des Nationalen Komitees für Global-Change-Forschung, die Gefahr unilateraler Aktionen. Es dürfe nicht sein, dass Staaten, die die entsprechenden technischen Möglichkeiten haben, ohne Absprache großflächig in das Klimasystem eingreifen. Maßnahmen und auch vorausgehende Experimente müssten im internationalen Konsens erfolgen. Klepper schlug daher vor, eine entsprechende Klausel in die von fast allen Staaten zu unterzeichnende Klimaschutzrahmenkonvention aufzunehmen.
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