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Foto: Stumberger
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»Ballack«, sagt der kleine Kerl auf seinem Fahrrad, mit dem er die Hauptstraße in der Provinzhauptstadt Santa Clara entlangfährt. »Ballack« und »FC Bayern« wiederholt er grinsend, während er in die Pedale tritt. Selbst auf Kuba kennen fußballbegeisterte Buben die weißblaue Mannschaft. Dabei ist der kubanische Nationalsport doch eigentlich Baseball.
Szenenwechsel in das 200 Kilometer westlich gelegene Havanna, der Hauptstadt der Zuckerrohrinsel. Die Zwei-Millionen-Stadt ist ein faszinierender Schmelztiegel, in dem sich Architekturstile, Rassen, Religionen und Musikstile zu einem aufregenden Cocktail vermischen. Neben den bereits renovierten Palästen aus der spanischen Kolonialzeit finden sich noch immer Straßenzüge, die vom Verfall gezeichnet sind. Aus den Kneipen und Bars dringt Salsa-Musik, während draußen die alten amerikanischen Limousinen vorbeirumpeln – wegen dem US-Embargo seit den 1960er Jahren gibt es keine Ersatzteile mehr.
Man steht herum, spielt Schach, plaudert oder repariert ein kaputtes Auto auf der Straße. In kleinen Ständen wird belebender Zuckerrohrsaft verkauft und immer wieder knattern alte russische Motorräder mit Seitenwagen vorbei. Und inmitten all diesen Trubels gibt es hin und wieder dezente Hinweise auf bayrisch-kubanische Wirtschaftsbeziehungen. Zum Beispiel die Bar mit den beiden Türmen der Münchner Frauenkirche als Neonreklame, »Bavaria« steht daneben und es geht natürlich um Bier. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass gleich um die Ecke eine Verleihstation von BMW zu finden ist. Die Modelle des bayerischen Autobauers sind hier ähnlich exklusiv, wie es ein mit Blattgold und Diamanten versehener Rolls-Royce in München wäre. Die Kundschaft, so ist zu vermuten, kommt wohl aus dem nahegelegenen Nacional-Hotel, dem ehrwürdigsten Hotel von ganz Havanna, in dem die internationalen Gäste absteigen.
Doch wer genau wissen will, wie es steht mit den bayerisch-kubanischen Beziehungen, der kann zum Beispiel Friedrich Eisenhauer fragen, etwa auf der »Informatica«, eine Informatik-Messe in der kubanischen Hauptstadt. Der 43-Jährige zeigt dort seine elektronischen Bauteile und ist umringt von wissbegierigen jungen Kubanern und auch von kubanischem Militär.
»Es läuft ganz gut hier, man muss sich sehen lassen«, sagt er. Seit 2002 vertritt Eisenhauer hier auf der Zuckerinsel unter dem Firmennamen Fecom S.A. die bayerische Firma Kathrein aus Rosenheim, vorher arbeitete er für Siemens in Miami. Als Angestellter wurde es ihm dort allerdings zu langweilig und weil er Kuba schon kannte, machte er sich im Jahr 2000 hier selbstständig.
»Unternehmer hier auf Kuba, das ist schon eine Herausforderung«, erinnert er sich. Zwei Jahre später gründete er zusammen mit der Rosenheimer Firma die Fecom, ein Unternehmen, das auch in der kubanischen Handelskammer eingetragen ist. Kathrein produziert Kommunikations-Anlagen, zum Beispiel für den Mobilfunk, für den Satellitenempfang, für terrestrisches Digital-Fernsehen, für Breitbandnetze. Neulich haben sie eine Antenne für Fernsehempfang auf dem Dach der deutschen Botschaft in Havanna montiert.
»Wir haben hier auf Kuba einen guten Stand«, sagt Eisenhauer, er liefert den staatlichen Firmen die technischen Komponenten für die Kommunikationsanlagen und die Beratung. So will Kuba jetzt das erdgestützte Digital-Fernsehen einführen, und dabei geht es auch um den genutzten europäischen Standard. Denn angesichts des seit Langem bestehenden Wirtschafts-Boykotts durch die nahen USA haben es europäische Firmen sozusagen nur noch mit asiatischen Mitbewerbern zu tun. Und es geht nicht nur um den kubanischen Markt, sondern auch um Märkte in Lateinamerika. Denn das – von Zuckerrohr und Nickel abgesehen – ressourcenarme Land exportiert zusehends soziale und technische Fähigkeiten. Zum Beispiel Ärzte nach Venezuela, aber Kuba wird dort auch federführend bei der Einführung von Telekommunikationssystemen sein. Gerade wurde auf der Insel, um nicht vom amerikanischen Windows-System abhängig zu sein, ein eigenes Linux-Betriebssystem für Computer eingeführt.
Eisenhauer beschäftigt in der Firma zwei Mitarbeiter, den Lohn von je rund 800 Euro zahlt er in Devisen an eine staatliche Firma. Von der werden dann die Arbeiter in heimischen Pesos bezahlt, was einen Gegenwert von vielleicht 20 Euro entspricht.
Vor einigen Jahren hatte sich auf Kuba auch Hans Spitzner, damals Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, sehen lassen. Er reiste mit Aufträgen für die bayerische Wirtschaft in Höhe von über 500 Millionen Euro zurück. Im Gegenzug besuchte im November 2006 Castros Sohn, Fidel Castro Diaz-Balart, an der Spitze einer Handelsdelegation den weißblauen Freistaat.
Kuba ist wirtschaftlich an einer Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Umwelt, Transport und Biotech interessiert, für die bayerische Wirtschaft wiederum ist die sehr gute Zahlungsmoral der kubanischen Seite ein Pluspunkt. So liefert MAN Dieselmotoren auf die Zuckerinsel oder eben Kathrein die Antennenanlagen für die Telekommunikation. Auch BMW ist wie erwähnt auf der Insel vertreten, aber nicht nur dort. Auch die rund 90 diplomatischen Vertretungen Kubas auf der ganzen Welt sind mittlerweile mit Fahrzeugen der weißblauen Autobauer ausgestattet.
Aber nicht nur die bayerisch-kubanischen Wirtschaftsbeziehungen florieren, nein, auch kulturelle Bande wurden schon vor dem FICCU-Festival von bayerischer Seite aus geknüpft. »Vom Zwiefachen zum Salsa« lautet das musikalische Motto der »CubaBoarischen«. Die Band kommt aus Rosenheim, wo man auch den Zwiefachen tanzt, und hat eine Neigung zu karibischen Rhythmen. Klar, dass die acht bayerischen Musiker auch schon in Kuba aufgetreten sind – in der dortigen deutschen Botschaft.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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