Von Antje Stiebitz
07.11.2009

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Zahlreiche Veranstaltungen erinnern an den antisemitischen Terror am 9. November 1938

Angehörige der SS und SA verprügelten und ermordeten jüdische Bürger auf offener Straße. Hunderte von Synagogen wurden in Brand gesetzt, Friedhöfe geschändet und tausende jüdische Wohnungen und Geschäfte zerstört. Der geschichtsträchtige 9. November erinnert nicht nur an den Mauerfall, sondern ebenso an die Reichspogromnacht vor 71 Jahren. Mit der Pogromnacht begann die radikale Phase der Judenverfolgung durch das NS-Regime.

Dass offizielle Repräsentanten lieber den Mauerfall feierten, als den Opfern der Pogrome zu gedenken, hätten sie bei ihren Einladungen selbst erlebt, moniert Ron Summer, Pressesprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA): »Deutschland sollte sich nicht einbilden, die Reichspogromnacht über den Mauerfall vergessen zu können.« In Berlin soll auf zahlreichen Veranstaltungen der Opfern gedacht und an die Verbrechen erinnert werden.

Alt-Köpenick:
Im Rathaus Köpenick findet am Sonntag um 11 Uhr eine Matinee mit Walter Kaufmann und dem Kinder- und Jugendensemble SADAKO statt.

Am Schlossplatz in den Räumen des Pflegedienstes Schwester Christiane liest Rosemarie Schuder am Montag um 15 Uhr aus ihrem Buch »Nr. 58866: Judenkönig. Aus dem Leben des Kurt Julius Goldstein«.

Um 17 Uhr beginnt am Schlossplatz die Ge(h)denkkundgebung »Jüdisches Leben in Köpenick«. Bei einem Rundgang durch die Altstadt werden Stätten des jüdischen Lebens besucht. Mit dabei ist der Autor Gerd Lüdersdorf.

Berlin-Dahlem:
Die St. AnnenKirche, die jüdische Synagogengemeinde Sukat Schalom und die Stiftung Topographie des Terrors laden am Sonntag um 19 Uhr zu Musik des Jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff, zu literarischen Texten und Zeitzeugenberichten ein.

Kreuzberg:
»Es gibt kein Ende der Geschichte«, sagt die Gruppe TOP B3rlin und ruft zur antinationalen Demonstration am Samstag auf. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Checkpoint Charlie. Die Route läuft über Friedrichstraße, Unter den Linden in die Oranienburger Straße. Nach einer Zwischenkundgebung vor der Synagoge geht es über den Hackeschen Markt bis zum Rosa-Luxemburg-Platz.

Mitte:
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin lädt am Montag um 18 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung ein. Geplant ist eine »szenische Collage« von Schülern der Anne-Frank-Grundschule.

In der Volksbühne liest Silvia Rieger um 18.30 Uhr aus einem Brief vom Arnold Schöneberg und einem Text von Bertolt Brecht.

Unter dem Motto »Nichts bleibt verborgen« wird um 19.30 Uhr in die Sophienkirche geladen. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Neuen Synagoge. Der Direktor der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum, Dr. Hermann Simon, spricht zum Thema »Der 9. November – die Erleichterung darf das Gedenken nicht verdrängen«.

Moabit:
Unter dem Motto »Gefeiert wird nicht! Wider den nationalistischen Taumel!« ruft die Antifaschistische Initiative Moabit am am 7. November um 17 Uhr zu einer Gedenkkundgebung und Demonstration am Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße auf. Autor Peter Neuhof und Hans Coppi, Vorsitzender der Berliner VVN-BdA, werden als Redner erwartet. Die Demonstration folgt dem Weg, den die Jüdinnen und Juden vom Sammellager in der Synagoge in der Levetzowstraße zum Deportationsbahnhof an der Putlitzbrücke gehen mussten. Die jährliche Moabiter Gedenkkundgebung und Antifa-Demonstration gibt es bereits seit 1990.

Pankow:
Am 7. November um 11 Uhr vor dem ehemaligen Jüdischen Waisenhaus, Berliner Straße, startet ein Rundgang zu Stätten ehemaligen jüdischen Lebens in Pankow. Veranstalter ist die VVN-BdA Berlin-Pankow.

Am 9. November um 15.30 Uhr wird im Rathaus Pankow die Wanderausstellung »Jüdisches Leben in Pankow – Vom Anbeginn zum Neubeginn« präsentiert.

Prenzlauer Berg:
Die Kirchen wollen mit einem Gottesdienst in der Gethsemanekirche am Montag um 9.30 Uhr zum Mauerfall-Jubiläum auch an die NS-Pogromnacht erinnern. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel werden erwartet.

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