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Hans-Gerd Öfinger 13.11.2009 / Gewerkschaftliches

Opel den Opelanern

Es war ein verlorenes Jahr – dieses Wort geht vielen Opelanern über die Lippen, die sich um ihre Hoffnung auf eine Zukunft ohne den US-Mutterkonzern GM betrogen sehen. Wie von Kritikern befürchtet, hatten Spitzenpolitiker, die sich von der Belegschaft als »Held der Arbeiterklasse« feiern ließen, vor allem den Wahltag im Sinn. Sie stehen bestenfalls als Scharlatane da.

Dass Betriebsratschef Klaus Franz vor der Belegschaft Angela Merkel in höchsten Tönen lobt und Roland Koch als zuverlässigen Verbündeten feiert, mag verstehen wer will. Koch legt sich als Regierungschef Hessens dauernd mit Gewerkschaften an und war im Bundesrat ein Scharfmacher beim Stricken der Hartz-Gesetze. »Der Staat ist ein schlechter Unternehmer«, wiederholen Koch und Merkel gebetsmühlenartig ihr neoliberales Credo. Mit der Polemik gegen einen »VEB Opel« wollen sie die Forderung von IG-Metall-Chef Berthold Huber nach mehr Mitbestimmung im Betrieb und öffentlicher Mitsprache als Gegenleistung für Staatshilfen diskreditieren.

Erfahrene Opelaner wissen zu berichten, wie die Vorgaben der GM-Zentrale seit Langem die Kreativität der Konstrukteure und Arbeiter hemmen. Aber auch ein neuer renditehungriger Investor würde am Grundübel Überkapazitäten wenig ändern. Mit dem Zulieferer Magna könnten die Beschäftigten vom Regen in die Traufe gelangen.

Wenn die Parole »Wir sind Opel« eine Anleitung zum Handeln sein soll, dann müssten die Belegschaften sich den Verlockungen des Standortnationalismus widersetzen, europaweit zusammenstehen und um jeden Betrieb, jede tarifliche Errungenschaft und jeden Arbeitsplatz kämpfen. Den Mutterkonzern »zum Wohle der Allgemeinheit« zu enteignen und Opel unter der demokratischen Kontrolle von Beschäftigten und Allgemeinheit weiterzuführen, ergibt sich aus dem Grundgesetz, aus Landesverfassungen und der Satzung der IG Metall. Dann könnte ein sozialer und ökologischer Mobilitätskonzern entstehen, der mit der schöpferischen Kraft seiner Arbeiter, Techniker und Ingenieure weitaus mehr fertig brächte als schöne Karossen mit Verbrennungsmotoren und Gummireifen. Lasst endlich die Opelaner ran! Sie können es besser.


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