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Klare Botschaft
Foto: Stefan Otto
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Josef und seine Leute schieben einen Bus und haben die Lautsprecher aufs Dach geschnürt. Das Mikrofon stellen sie zwischen der Musik zur freien Verfügung, und wer will, kann ein paar Worte an die Demonstranten richten, oder auch an die Passanten. Ein Junge mit Bierflasche in der Hand schnappt sich das Mikro und ruft: »Der Mauerpark ist der chilligste Park; Sonnenuntergang gucken ist so jut.« Josef lacht. »Der Park gehört zu Berlin. Er ist ein Stück Identität der Stadt«, findet er. Jetzt hat er Angst, dass das Leben dort eingeht, wenn die Townhäuser auf der Weddinger Seite hochgezogen werden. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) möchte auf der Brache einen etwa 30 Meter breiten Streifen mit sechsgeschossigen Häusern bebauen. »Gesichtslose Betonklötze«, nennt sie ein anderer Redner – die könnten auch in Mannheim oder Bottrop stehen.
Gegen diese Baupläne formiert sich am Samstag der Protestzug vom Mauerpark zum Roten Rathaus, an dem nach Schätzungen der Veranstalter 2000 Menschen teilnehmen. Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel spricht im Lautsprecherwagen von einer »kleinkarierten Politik der Häuslebauer«, die das Bezirksamt Mitte mit Rückendeckung des Senats betreibe. Für die Parknutzer wäre der abendliche Sonnenuntergang zwar nicht verbaut, aber Nutzungskonflikte seien vorprogrammiert.
Noch pulsiert dort Woche für Woche der Flohmarkt, auf dem es an jeder Ecke Musik gibt. Aber »wer will schon so ein Treiben vor seinem Balkon haben«, fragt Murat Ayvaz, der den Markt betreibt. »Schon abends werden die Stände aufgebaut und früh um sechs geht’s los.« Natürlich sei er jetzt verunsichert, sagt Ayvas. Er hoffe, »dass Berlin den Flohmarkt nicht sterben lässt.«
Dafür setzen sich die Demonstranten ein. Kurzerhand begreift diese Allianz aus Anwohnern und Aktivisten sich als Berlin und will den Park mitsamt seiner Kultur erhalten. Schwarz gekleidete Autonome ziehen hinter Transparenten verdeckt gegen die Gentrifizierung ins Feld. Im Tuntenhaus in der Kastanienallee schwenkt ein Mann eine rosa Fahne mit schwarzem Stern aus dem Fenster, und in der einsetzenden Dämmerung scheint der Schriftzug an der Fassade »Kapitalismus normiert, zerstört« heller zu leuchten als sonst.
Ein Sprecher der Jusos lehnt auf dem Lastwagen lässig an einer Lautsprecherbox und zitiert Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD). Der soll gesagt haben, dass im Mauerpark sowieso nur die Chaoten seien. Der Redner bekräftigt, kein linkes Refugium verteidigen zu wollen, ihm gehe es stattdessen darum, eine Enteignung von öffentlichem Gelände zu verhindern.
Baustadtrat Gothe sieht die Sache allerdings anders. Denn das Gelände auf der westlichen Parkseite gehört dem Immobilienunternehmen Vivico, einem einstigen Tochterunternehmen der Bahn, und der Bezirk sucht schon seit Jahren nach einem Kompromiss, der für alle Seiten tragbar ist. Ende September wurden die Pläne mit einer Randbebauung öffentlich. Noch sieht der Flächennutzungsplan dort eine Grünfläche vor, und der Ausgleich zwischen Bezirksamt und Vivico basiert auf einem Tausch: Baurecht gegen eine weitere Fläche für den Parkausbau.
Gothe läuft für diesen Deal jedoch die Zeit weg. Denn als der erste Bauabschnitt des Mauerparks vor 15 Jahren fertiggestellt wurde, finanzierte die Allianz-Stiftung das Projekt mit 4,5 Millionen Mark, knüpfte daran aber die Bedingung, den Park zu vergrößern. Wenn bis zum nächsten Jahr nicht weitere zwei Hektar Grünfläche hinzukommen, dann muss das Land die Gelder zurückzahlen.
Der Bezirk Pankow hat in der vergangenen Woche diesen von Gothe ausgehandelten Kompromiss abgelehnt. Am 25. November beraten die Bezirksverordneten von Mitte darüber, und die Protestierenden wollen nicht locker lassen. Sie kündigen auch dort ihr Kommen an.
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