Von Kurt Stenger
18.11.2009
Standpunkt

Großmacht mit Geheimnissen

Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen stehen die Zeichen auf – totale Flaute. Trotz zahlloser Vorbereitungstreffen auf Arbeitsebene gibt es noch nicht einmal einen vagen Rahmen für das eigentlich von allen Staaten gewünschte neue Klimaschutzabkommen. Dabei ist seit Jahren klar, was die Kernpunkte von Kyoto II sein müssen, um die Erderwärmung auf noch einigermaßen beherrschbarem Niveau zu halten.

Wieder einmal richten sich die meisten Blicke gen Washington. Wenn man US-Präsident Barack Obama in den letzten Wochen beobachtete, gibt es natürlich einen riesigen Fortschritt gegenüber seinem Amtsvorgänger zu konstatieren. Ganz klar möchte er den Klimaschutz voranbringen. Allerdings tritt er nicht wie ein Hauptplayer der Verhandlungen auf, sondern eher wie ein Moderator. Irgendwie will er vor allem den anderen Riesen China in das Boot holen, in dem er selbst noch nicht sitzt. Doch welchen Reduktionszielen sich die USA als einer der beiden größten Treibhausgasemittenten verpflichtet fühlen und welche Finanzhilfen für Entwicklungsländer bereitgestellt werden sollen, bleibt bislang ein Geheimnis.

Anderen, etwa der in dieser Frage längst zerstrittenen EU, wird es leicht gemacht, ihrerseits in voller Deckung nach Kopenhagen zu reisen. Bewegung wird es wohl erst dann geben, wenn die Großmacht USA ihre Geheimnisse lüftet.