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Von Karin Schmidt-Feister
19.11.2009

Brodelnde Kraft der Zerstörung

»Wound« von Toula Limnaios wurde in der Halle uraufgeführt

Zwei Wochen nach ihrer dritten Brasilien-Tournee kehrte die renommierte Compagnie um die griechische Choreografin Tuola Limnaios und den Berliner Komponisten Ralf R. Ollertz in ihr Domizil, die Halle Tanzbühne in Prenzlauer Berg, zurück und präsentierte am vergangenen Freitag die stark akklamierte Uraufführung von »wound«. Die neue Arbeit bestätigt wie im besten Sinne eingespielt dieses internationale Ensemble arbeitet. Entstanden ist ein polyfones Tanzstück mit offenem Ausgang. Dessen Sog aus Bewegung, Musik, Bild- und Filmsequenzen, Licht und Kostüm kann sich das Publikum nicht entziehen.

Flankiert von gefilmten Männern unter Wasser taucht der Zuschauer in Abgründe. Das einstündige »Traumspiel« um Traumata des Einzelnen in Beziehung zur Welt beginnt mit dem flehenden Ruf einer Frau (Fleur Conlon) im Licht: »Sehen Sie mich, schwach, Sehen Sie näher hin?« Sie balanciert ein Buch auf dem Kopf, auf das die anderen Klötze stellen. Erst später wird der Zuschauer auf dem Buch-Cover den Namen des spanischen Malers Goya lesen.

Das Eingangsensemble entfacht ein Crescendo rhythmischer Schläge auf Oberschenkel und Bauch, bis sich die Hände krümmen und kratzenden Klauen ähneln. Später hört man hundeartiges Knurren, merkwürdig schlagende Bewegungen der Beine. Eine Frau schaut ins Publikum mit sanft pendelnden Armen, die sich explosiv in wirbelnde Ekstase schrauben und abrupt in unmerkliche Bewegung zurückpendeln. Menschen in Erschütterung, unter der Oberfläche lauert die Gewalt, brodelt die Kraft der Zerstörung. Das nicht Geheure offenbart sich in Details. Tuola Limnaios choreografiert parallele Pas de deux und Gruppenszenen von divergierender Kraft als Abgründe menschlicher Verletzungen.

Die Paartänze und Gruppenaktionen etablieren auf der Szene die Verwundbarkeit der menschlichen Kreatur. Dabei potenzieren die dramaturgisch kontrapunktisch oder vertiefend platzierten Filmsequenzen (Video: cyan) die Bildkraft und lenken den Blick des Zuschauers auf neue Schrecknisse: Im großformatigen Film rennt eine Frau wieder und wieder gegen eine Schwingtür, während auf der Szene die Gruppe wie hypnotisiert vorwärts geht. Menschen im Licht sprechen von ihrem Traum, parallel minimieren zwei Männer den Bewegungsspielraum einer Frau brutal.

Hitchcock-Effekte entstehen durch die Konfrontation von zwei sich schlagenden Frauen, einem Mann, der die auf ihm liegende Frau nicht erträgt, in deren Mitte jedoch ein Paar unbeirrt einen liebevoll-absurden Tango tanzt. Über die Leinwand flirren derweil verstörende Szenen aus alten Filmen.

Kopflos, mit einem aufgeklappten Goya-Bildband vor den Augen, tastet sich ein Mann auf der Geraden vorwärts, die Arme locken, plötzlich stampft er mit dem Fuß, schnalzt galoppierend mit der Zunge, die Hand krampft sich animalisch. Goyas Radierung »Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer« wirkt als Metapher der Angst. Symbolisch nehmen die »Schattenwesen« die Steine mit sich fort. Im Video wirbeln bunte Buchseiten. Der einsam tanzende Körper eines Mannes erlischt im Dunkel der Szene, während im bunten Video-Bild erst ein Fernseher dann ein Kühlschrank detonieren. Fleischreste, Tuben, und Schrott – eine Welle von Zivilisationsmüll kreist bunt weiter.

Das neue Tanzstück »wound« ertastet Momente menschlicher Verwundbarkeit, offenbart Verletzungen als Resultat unerfüllter Sehnsucht vom Aufgefangen-, Gehalten- und Verstandenwerden. Die Träume leben weiter. Die Albträume sind nicht ausgeträumt. Die Wunden sind nicht verheilt. Ein nachdenklicher Tanzabend von verstörender Bildkraft und bezwingender Intensität.

»Wound« wird im November auch in Frankfurt/Main und Kopenhagen gespielt. Im Frühjahr 2010 wird die Compagnie eine Koproduktion mit dem senegalesischen Ensemble jant-bi und der Choreografin Germaine Acogny erarbeiten.

19.-22. November, 20 Uhr, Halle Tanzbühne Berlin, Tickets: 44 04 42 92

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