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ND: In den vergangenen Tagen war häufig die Rede davon, dass die Palästinenser einseitig einen unabhängigen Staat ausrufen wollen. Was wollen Sie damit bezwecken?
Erekat: Wir haben derzeit nicht vor, einen eigenen Staat im Alleingang zu proklamieren, wie dies fälschlicherweise berichtet wurde. Tatsächlich wollen wir beim UN-Sicherheitsrat erreichen, dass sich die Staatengemeinschaft erneut hinter die Zwei-Staaten-Lösung auf der Grundlage der vor dem 5.Juni 1967 bestehenden Grenzen stellt. Diese Grenzen sind für uns entscheidend.
Dennoch ging die Initiative nur von Ihrer Seite aus.
Uns geht es lediglich darum, die Zwei-Staaten-Lösung entlang der Grenzen von 1967 zu retten. Es ist Israel, das die ganze Zeit einseitige Schritte unternimmt, indem es unsere Gebiete besetzt, unsere Häuser zerstört, seine Siedlungen weiter ausdehnt und Straßensperren errichtet. Uns vorzuwerfen, einseitige Schritte zu unternehmen, ist eine Lüge.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahus Äußerungen vom 15. November wirkten wie eine Drohung. Wenn die Palästinenser nicht zu Friedensverhandlungen zurückkehrten, könne sich Israel erneut gezwungen sehen, einseitige Maßnahmen zu ergreifen, erklärte er. Größere Teile des Westjordanlandes könnten den jüdischen Siedlungen zugeschlagen werden.
In Wirklichkeit geht es der israelischen Führung darum, nicht wieder mit uns an den Verhandlungstisch zurückkehren zu müssen, um wieder dort anzuknüpfen, wo wir im Dezember 2008 aufgehört hatten. (Auf Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen zur Jahreswende 2008/2009 folgte im Februar die Wahl Netanjahus – IPS.) Die israelische Regierung sucht nach einer Lösung, um uns die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich bin allerdings sicher, dass US-Präsident Barack Obama auf eine solche Taktik nicht hereinfallen wird. Die Welt weiß, was hier vor sich geht.
Haben Sie die internationale Gemeinschaft bereits von den Vorteilen Ihrer Strategie überzeugen können?
Die Arabische Liga hat uns am 12. November ihre Unterstützung zugesichert. Ich habe unsere Idee Vertretern der EU vorgestellt und werde mit Mahmud Abbas für die Idee in den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien und Chile werben. Ich denke, dass alle unsere Strategie gutheißen. Es ist der einzige Weg, um die Zwei-Staaten-Lösung zu retten.
Die Regierung in Washington hatte Israel zu einem Stopp des Siedlungsbaus aufgefordert, machte dann aber einen Rückzieher. Waren Sie nicht enttäuscht?
Wir haben mit den USA bisher nicht über die Initiative gesprochen, wollen dies aber bald nachholen. Wir hoffen auf eine positive Antwort des US-Präsidenten. Wir wollen uns auch weiterhin an Washington halten. Wir haben keine andere Wahl.
Wäre es nicht besser, dass sich Washington und nicht die UN für die Forderung der Palästinenser nach der Rückkehr zu den alten Grenzen einsetzen?
Der UN-Sicherheitsrat will den Grenzplan entwickeln. Es ist dabei unumgänglich, an der Zwei-Staaten-Lösung festzuhalten.
Besteht nicht die Gefahr, dass die USA das Vorgehen der Palästinenser als übereilt auffassen und die Resolution im Sicherheitsrat durch ein Veto blockieren könnten?
Ein solcher Schritt würde auch den Interessen der USA schaden und die Position des Landes in der arabischen Welt schwächen. Wir wollen lediglich die Zwei-Staaten-Lösung am Leben halten, die Israel täglich durch seine Besatzungspolitik unterminiert.
Wäre es nicht klüger abzuwarten, bis Washington die Friedensverhandlungen zwischen den Palästinensern und der Regierung von Benjamin Netanjahu wieder in Gang bringt?
Wir haben unser Bestes gegeben und 18 Jahre lang verhandelt. Israel ist weiterhin die einzige Autorität und Besatzungsmacht in unseren Städten und Flüchtlingslagern. Zugleich setzt das Land seine Siedlungspolitik fort. Die Zeit ist wirklich reif. Niemand von uns will Israel sein Existenzrecht absprechen. Wir haben akzeptiert, dass Israel 78 Prozent unseres Territoriums in Anspruch nimmt. Wir haben uns ebenfalls damit abgefunden, dass unser Staat auf den verbleibenden 22 Prozent entsteht.
Ist es für die Zweistaaten-Lösung nicht zu spät? Immer mehr Palästinenser scheinen sich auf einen einzigen Staat einzustellen, in dem sie mit den Israelis zusammenleben.
Wir werden weiterhin auf zwei Staaten bestehen. Israelis und Palästinenser können nicht innerhalb derselben Grenzen zusammenleben. Es gibt zu der Zwei-Staaten-Lösung keine Alternative.
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