Der Streit um das iranische Nuklearprogramm spitzt sich wieder zu. Nachdem der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Teheran scharf gerügt und aufgefordert hat, den Bau seiner zweiten Uran-Anreicherungsanlage nahe Ghom »umgehend auszusetzen«, will Iran seinerseits die Zusammenarbeit mit der UN-Organisation deutlich einschränken. Zuvor hatte die IAEA eine von Teheran verlangte Garantie für Lieferungen angereicherten Urans aus dem Ausland verweigert. Wohlgemerkt, Iran pocht auf sein Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie, muss aber mit dem Vorwurf der USA und ihrer Verbündeten, insbesondere Israels, leben, unter diesem Deckmantel an der Entwicklung von Kernwaffen zu arbeiten.
Zur gleichen Stunde hat Pakistans Präsident Zardari die Kontrolle über die mehr und mehr ins Visier islamistischer Extremisten geratenen Atomwaffen seines Landes an Regierungschef Gillani abgegeben. Aus Washington fließen erhebliche Mittel, um die Arsenale zu schützen. Diese Welt braucht nicht noch mehr Atombomben. Pakistan wie Israel sind inoffizielle Nuklearmächte, beide haben im Unterschied zu Iran den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet. So manifestiert der Streit um Teherans Nuklearprogramm auch eine eklatante Ungleichbehandlung in den internationalen Beziehungen, die weder zu seiner Lösung noch dazu beiträgt, dass weitere Staaten atomare Ambitionen aufgeben.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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