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Von Andreas Heinz 01.12.2009 / Berlin / Brandenburg

Angst vor dem Jugendamt

Kreuzbergs Stadtteilmütter kümmern sich um Eltern und Kinder – sie wollen Misstrauen abbauen

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Die Kinder stehen im Vordergrund

Wer im Berliner Stadtteil Kreuzberg Rot sieht, dem kann geholfen werden. Seit rund einem Jahr sind die Frauen mit den roten Schals im Bezirk unterwegs. Das durch den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper bekannt gewordene Umhängsel ist inzwischen auch Erkennungszeichen für die Stadtteilmütter. Sie verstehen sich als Bindeglieder zwischen Eltern, Kitas, Schulen und Jugendamt. Mit dem Modellprojekt soll die frühkindliche Entwicklung gefördert und Müttern sowie Vätern das Misstrauen oder gar die Angst vor Behörden genommen werden. Über die Arbeit der Projektmitglieder informierte sich gestern die Jugendstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne). Die Ergebnisse des Projektes werden vom Bundesbildungsministerium ausgewertet.

Herrmanns Fazit: »Seit dem Start dieses Projekts sind die Kita-Anmeldungen deutlich gestiegen, die Kinder sprechen besser Deutsch und bewegen sich auch besser«, betonte die Stadträtin. »Die Einschulungsuntersuchungen belegen immer wieder, dass Kinder und Eltern frühzeitig unterstützt werden müssen, um die Bildungschancen des Nachwuchses in Bezirken mit niedrigem Sozialstatus zu verbessern. Deswegen sind die Stadtteilmütter nun auch in Kreuzberg unterwegs«, sagte Koordinatorin Ulrike Koch vom Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte. Die Einrichtung ist Träger des Projektes im Quartier zwischen Anhalter Bahnhof, Mehringplatz und Kottbusser Tor und wird vom Jugendamt mit 60 000 Euro gefördert. Dazu gibt es finanzielle Unterstützung vom Eigenbetrieb Kindergärten City sowie EU-Mittel.

Bevor die Stadtteilmütter mit türkischen und arabischen Wurzeln an den Start geschickt wurden, erhielten sie 150 Stunden Unterricht in Kindererziehung und -entwicklung, Gesundheits- und Sprachförderung.

Die Erfahrung zeige, dass neue Konzepte der Familienbildung in Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Grundschulen äußerst notwendig seien, um das Vertrauen der Eltern stärker zu gewinnen, erinnerte die Projektkoordinatorin. »Oft sind die Eltern auf Grund von Sprache und Kultur nur schwer zu erreichen«, berichtete auch Stadtteilmutter Emine. »Viele Mütter trauen sich nicht zum Jugendamt, weil sie Angst haben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden«, gab sie zu bedenken. »Auch dieses Misstrauen gegenüber Behörden wollen wir abbauen.« 40 Frauen kümmern sich momentan in ihrem Kiez um Familien.

Emine hat »ihre Familien« über eine Kita und Bekannte auf dem Spielplatz kennengelernt. Kolleginnen von ihr knüpften erste Kontakte über die Schulklassen der eigenen Kinder oder die Nachbarin einer Freundin. Oft funktionieren die Kontakte über den Schneeballeffekt, so die Erfahrung der jungen Frauen in dem MAE-Projekt. Und wenn das zu Ende ist, wird für die engagierten Stadtteilmütter nicht Schluss sein.

»Wir bieten anschließend eine Fortbildung zur Sozialassistentin an. Das ist wohl einmalig und gibt es in Berlin erst seit einem Jahr«, freute sich Koordinatorin Koch. Dann bestehe noch die Möglichkeit, interkulturelle Familienbegleiterin zu werden. Die Ausbildung zur Sozialassistentin oder zum -assistenten vermittelt grundlegende Kompetenzen in sozialpädagogischen, sozialpflegerischen und hauswirtschaftlichen Bereichen. Sozialassistenten arbeiten zum Beispiel in der Familien-, Kinder- und Jugendbetreuung.

Zur Zeit qualifiziert das Diakonische Werk auch rund um den Görlitzer Bahnhof Frauen zu Stadtteilmüttern.

www.dw-stadtmitte.de

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