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Von Hans-Gerd Öfinger
04.12.2009

Druckzentrum Suhl vor dem Aus

Breite Kritik in der Region an Beschluss der Münchner Eigentümer

Die Meldung von der bevorstehenden Schließung des Druckzentrums Suhl in der Großgemeinde St. Kilian sorgt in Südthüringen auf Unverständnis.

Über 100 Arbeitsplätze sind wegen der geplanten Schließung des Druckzentrums Suhl bedroht. Hier werden seit den 1990er Jahren vor allem die Tageszeitungen »Freies Wort« und »Südthüringer Zeitung« hergestellt. Der Betrieb gehört zu 70 Prozent dem Süddeutschen Verlag und zu 30 Prozent der SPD-eigenen Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (dd_vg). Die Gesellschafter sehen in der Abwicklung und Fremdvergabe der Druckaufträge die rentabelste Lösung und scheuen notwendige Investitionen in Millionenhöhe. »Die haben hier aber viele Gewinne eingefahren«, gibt ver.di-Sekretär Michael Kopp zu bedenken. »Die Suhler Drucker fühlen sich von ihrem Geschäftsführer belogen«, bringt Kopp die Stimmung im Betrieb auf den Punkt.

Weil er sich vom Arbeitgeber »vor vollendete Tatsachen gestellt« sieht, will der Betriebsrat jetzt mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Arbeitsgericht Suhl seine gesetzlich verankerten Informationsrechte einklagen, erklärte Betriebsratsvorsitzende Cornelia Bauer auf ND-Anfrage. Die Belegschaft sei »wütend«, auch weil sie seit 1996 zur Erhaltung des Betriebs Gehaltsverzicht geübt habe.

In den letzten Tagen wurde bekannt, dass ein Teil der bisher in Suhl gedruckten Lokalzeitungen ab April 2010 im Druckbetrieb der Tageszeitung »Mainpost« im 130 Kilometer entfernten Würzburg produziert werden soll. Demgegenüber hatte der Geschäftsführer des Druckzentrums, Thomas Regge, Anfang letzter Woche dem Betriebsrat zugesagt, dass es keinen Zeitplan für eine Produktionsverlagerung gebe.

»Es geht nur um Marktbereinigung«, kritisiert Ina Leukefeld, Suhler Landtagsabgeordnete der Linkspartei. Die Entscheidung zur Schließung sei im fernen München von Menschen gefällt worden, die davon überhaupt nicht betroffen seien. Fraktionschef Bodo Ramelow befürchtet eine Kettenreaktion, die weitere Medienstrukturen bedrohe. Insider gehen davon aus, dass im Zuge des Konzentrationsprozesses auch Druckereien im angrenzenden Nordbayern bedroht sein könnten. Ramelow forderte die regierende Thüringer SPD auf, eine Schließung des SPD- eigenen Druckzentrums zu verhindern.

Willi Büttner, Bürgermeister von St. Kilian, sprach gegenüber ND von einem »schweren Schlag« für seine betroffenen Mitbürger ausgerechnet in der Weihnachtszeit. Büttner, der 1992 in München mit Repräsentanten des Süddeutschen Verlags den Notarvertrag über den Erwerb des Grundstücks unterschrieben hatte, kann die genannten »Sachzwänge« für eine Einstellung der Produktion »nicht nachvollziehen«. Die Druckerei sei der Leuchtturm im örtlichen Gewerbepark »Friedberg« gewesen. Nun drohe ein weiterer Bevölkerungsschwund. Dabei hat allein in der kreisfreien Stadt Suhl die Bevölkerung in den letzten 20 Jahren um über 15 000 auf weniger als 40 000 abgenommen.

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