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»Nur für Schafe aus gutem Stall«

Studierendenschafe der Beuth Hochschule in Berlin wollen weiter friedlich protestieren

Mit Satire gegen schlechte Studienbedingungen: An der Beuth Hochschule für Technik blöken Schafe gegen die bestehenden Missstände im deutschen Bildungssystem an. Aert van Riel sprach mit den Studierendenschafen Ludwig, der vor Kurzem von Berlin an die Universidad Autónoma de Barcelona gewechselt hat, und dessen Freundin Beuthla, die in Berlin zurückblieb, Über Bildungsproteste, Studienbedingungen und Gewalt gegen Schafe.
Im Hörsaal
Im Hörsaal

ND: Ludwig, was ist der Grund für Deine plötzliche Abreise nach Barcelona?
Ludwig: Ursachen sind vor allem die hiesigen Studienbedingungen. Die Studierendenschafe in Berlin werden im Unklaren darüber gelassen, ob sie nach ihrem Bachelor-Abschluss zu einem Master-Studiengang zugelassen werden. Ohne einen Master-Abschluss meines Architektur-Studiums sind die Chancen darauf, dass ich dann bessere Unterkünfte für uns Schafe bauen darf, sehr schlecht. Einen Anspruch auf ein Master-Studium habe ich in Deutschland leider nicht. Diese Ungewissheit konnte ich seelisch einfach nicht mehr verkraften.

Wie gefällt es Dir in Barcelona, und was sind die größten Unterschiede zu Deiner Hochschule in Berlin?
Mir gefällt es hier bisher sehr gut. Das liegt vor allem daran, dass einige Vorgaben des Bologna-Prozesses in Spanien wesentlich besser umgesetzt wurden, als in Deutschland. Der Hauptunterschied zu deutschen Hochschulen ist der Übergang vom Bachelor zum Master.

In Spanien kann ich zunächst einige Semester studieren, bevor ich mich auf einen Abschluss festlegen muss. Wer sich für den Master entscheidet, macht einen verkürzten Bachelor und spezialisiert sich dann auf eine wissenschaftliche Ausbildung. Und wer einen Bachelor-Abschluss machen möchte, bei dem dauert das Bachelor-Studium etwas länger und es geht eher in eine wirtschaftlich verwertbare Richtung.

Beuthla, zieht es Dich jetzt wegen der Studienbedingungen zu Deinem Freund Ludwig nach Barcelona?
Natürlich würde ich auch gerne dort studieren. Aber ich komme nicht aus einem so guten Stall wie Ludwig. Deshalb kann ich mir ein Studium in Barcelona finanziell nicht leisten.

Ludwig, kann Spanien wirklich als Studierendenparadies bezeichnet werden, wie Du auf einer Postkarte schreibst?
Das trifft nur auf die Umsetzung der Bachelor- und Master-Studiengänge zu. Denn andererseits ist das Studium sehr teuer. Es müssen jährlich 500 bis 900 Euro Studiengebühren gezahlt werden. Dann kommen noch Prüfungsgebühren für den Abschluss in Höhe von etwa 90 Euro hinzu. Außerdem wohne ich derzeit im Studierendenwohnheim. Diese Ställe sind in Spanien wie Hotels aufgemacht und kosten um die 500 Euro.

Und wie finanzierst Du das alles?
Ein Stipendium erhalte ich nicht. Und meine Wolle wollte ich auch nicht auf dem Markt verkaufen. Deshalb hat sich mein Papi bereit erklärt, für das Auslandsstudium zu zahlen.

Zur Situation in Deutschland: Beuthla, zwei Deiner mitstreitenden Schafe wurden vor wenigen Wochen in Berlin entführt und schwer verletzt aufgefunden. Gibt es inzwischen konkrete Hinweise auf die Täter?
Nein. Es gibt noch immer keine eindeutige Spur. Wir haben zunächst vermutet, dass die Täter Anhänger oder Beschäftigte des Berliner Senats sind. Das hat sich aber nicht bestätigt.

Neuere Ermittlungen weisen darauf hin, dass das Verbrechen eher aus Frust oder aus Langeweile begangen wurde. Auch ein Hassverbrechen gegen die Schafe kann leider nicht ausgeschlossen werden.

Wie geht der Protest nach dem Schaf-Attentat an eurer Hochschule weiter?
Die Proteste werden nicht radikalisiert. Wir sind friedfertige Schafe und werden auch weiterhin gewaltfrei demonstrieren. Es hat uns aber große Sorgen bereitet, dass an der Universität in Frankfurt die Polizei-Wölfe hart gegen andere Herden vorgegangen sind und bis zu fünf Schafe verletzt wurden.

Es ist zu befürchten, dass auch wegen der Hirtin Annette Schavan, die sich eindeutig für die Räumung von besetzten Hörsälen ausgesprochen hat, dieses unverhältnismäßige Vorgehen fortgesetzt werden könnte.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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