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Von René Gralla 12.12.2009 / Menschen & Leben
Kurzweil

Ältestes Fernsehen der Welt

Warum und wie Hamburgs Planetarium Kindern Astronomie nahe bringt

Papierrakete navigiert Kinder durchs All. Fotos: Clark; Malzkorn
Papierrakete navigiert Kinder durchs All. Fotos: Clark; Malzkorn

Eigentlich sieht diese Rakete wie ein großer Pappkarton aus. Dafür hat die Kiste aber ganz schön was drauf: Nachdem ein neugieriges Mädchen und sein Bruder an einem Sommerabend ihren selbstgebastelten Raumgleiter bestiegen haben, heben sie tatsächlich ab zu einer spannenden Tour durch unser Sonnensystem, von Venus und Mars bis weit hinaus zu Saturn und Pluto. Lotse ist ein verzauberter Professor, der einen Albert Einstein-Schnauzer trägt und aus einem wundersamen Buch spricht, das alles Wissenswerte über den Kosmos enthält.

Sterne als Freunde

»Das Geheimnis der Papierrakete« ist einer der Höhepunkte im Programm, mit dem sich das Planetarium Hamburg gerade auch an Kinder wendet. Denn Astronomie sei keineswegs bloß etwas für Erwachsene, so das Credo von Direktor Thomas Kraupe. »Kinder sind begeisterungsfähig und offen. Sie haben sehr wache Sinne, um die Welt zu begreifen. Ich möchte zeigen, dass die Sterne die Freunde der Kinder werden können ein ganzes Leben lang.« Schon die Kleinsten würden ein Gefühl für die großen Zusammenhänge entwickeln, das beste Einstiegsalter in die Astronomie liege bei vier Jahren, sagt Astrophysiker Kraupe im ND-Gespräch.

Digitale Projektoren und Laserbeamer nehmen die jungen Zuschauer unter einer Kuppel, die einen Durchmesser von fast 21 Metern hat, mit zu virtuellen Reisen hinaus ins All. Das 1930 eröffnete Planetarium zählt nach aufwändigen Nachrüstungen zu den weltweit modernsten Anlagen seiner Art. Rund 350 000 Menschen jährlich besuchen den ehemaligen Wasserturm im Hamburger Stadtpark, und viele davon haben gerade mal das Kita-Alter erreicht. Indem Hausherr Kraupe auf den Nachwuchs setzt, weiß er sich einig mit Professor Dieter B. Herrmann. Der war zu DDR-Zeiten Gründungsdirektor des Zeiss-Großplanetariums Berlin, und zudem leitete er von 1976 bis 2004 die Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow.

Heutzutage gehe es in den Schulen weniger um Wissensvermittlung, sondern mehr um Kompetenzerwerb, analysiert Herrmann, einst Moderator der Wissenschaftssendung »Aha« im DDR-Fernsehen, auf Nachfrage des ND: »Astronomie verbindet alle Naturwissenschaften und diese ihrerseits mit Technik, Kunst, Philosophie und Kulturgeschichte. Was könnte besser das gerade heute so dringend notwendige fächerübergreifende Lernen organisieren als ein Curriculum in Astronomie?«

DDR war 50 Jahre voraus

Ein Konzept, das in einem Teil des heutigen Deutschland schon vor 50 Jahren verwirklicht wurde: Die DDR führte 1959 Astronomie als Fach für alle Schüler ein. Seitdem ist die Republik, den Zeitläufen geschuldet, allerdings nicht wirklich weiter gekommen, obwohl der Doyen der Pädagogik, Adolph von Diesterweg, bereits im 19. Jahrhundert Astronomie an den Schulen gefordert hatte. Entsprechend bleibt es mehrheitlich den Familien und deren Initiative überlassen, gemeinsam ein Planetarium aufzusuchen und dort zu erfahren, was das Universum zusammenhält.

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Himmel zum Greifen nahe

Das sind jedoch Nachhilfestunden, die nicht ermüden, sondern richtig Laune machen. Neben dem Papierraketenabenteuer, einer Produktion des Clark Planetariums in Salt Lake City, USA, erforschen die Jugendlichen in Hamburg unter anderem auch unseren Blauen Planeten. Und ab Januar 2010 dürfen sie an Bord gehen im Team von Marvi Hämmer, der aus dem Kinderkanal bekannten und beliebten Reporterratte, die sich nun auf dem Mond näher umsehen will.

Chef macht Show

Zwischendurch kann Himmelskunde beim Chef persönlich gebucht werden: Der Planetariumsmacher von der Elbe hat die Show »Sonne, Mond und Sterne für Kinder« geschrieben, und da lernt das Generationen übergreifende Publikum, wo der Jupiter am Firmament zu finden ist und wie sich das anfühlt, wenn man zwischen den Ringen des Saturns herumgondelt.

»Der Nachthimmel ist seit den Anfängen der Menschheit das älteste Fernsehprogramm der Welt«, sagt Thomas Kraupe. Und anders als der Tunnelblick in die Glotze ist das ein Ausblick nach oben, der den Blick für neue Perspektiven öffnet.

Planetarium Hamburg, Hindenburgstr. 1b; Tel.: (040) 42 88 65 20; www.planetarium-hamburg.de

Zeiss-Großplanetarium Berlin, Prenzlauer Allee 80, Tel.: (030) 421 84 50; www.sdtb.de

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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