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Von Marina Mai 21.12.2009 / Berlin / Brandenburg

Gesundheit, Frieden und ein Lächeln

Marzahner Kirchengemeinde sammelte Wünsche der Mitbürger vor dem Weihnachtsfest

Kurz vor den Bundestagswahlen hatte die Kirchengemeinde Marzahn-Nord zu einem Lichterkreuz gegen Armut und Ausgrenzung und für ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeladen. Teilnehmer konnten »Wertpapiere« ausfüllen mit ihren Erwartungen an die Zukunft. Rechtzeitig vor Weihnachten, dem Fest der Wünsche, hat die Kirchengemeinde die Wünsche der Marzahner aus dem sozialen Brennpunkt rund um die Mehrower Allee zusammengefasst.

Brigitta Schauer von der Kirchengemeinde sagt: »Nein, Lottomillionen, Sportwagen und Kreuzfahrten sind nicht das, wovon Marzahner Bürger träumen. Dabei wäre auch dies durchaus legitim, wenn man anonym seine Zukunftsträume auf ein Blatt Papier notieren kann.« Die Marzahner Wünsche sind bescheidener, sofern sie materielle Dinge betreffen.

Das sind etwa eine Arbeit, von der man leben kann, eine Rente, mit der man nicht hungern muss, und bezahlbare Mieten – ein Leben also ohne Existenzangst. Einige Bürger befürworten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Brigitta Schauer: »Die Mitarbeiterin eines Drogeriemarktes will, ›dass meine Arbeit Reiche nicht noch reicher macht‹ und sie mit einem Hungerlohn abgespeist wird.«

Es geht nicht um Reichtum, sondern um die Befriedigung materieller Grundbedürfnisse wie Einkommen für Nahrung, Kleidung, Wohnen sowie auch für die Bildung der Kinder, Gesundheit und Urlaub. »Das widerlegt beispielsweise sehr nachhaltig die in schöner Regelmäßigkeit wiederholte These vom sogenannten Sozialneid.«

Unter den immateriellen Wünschen nehmen die nach einer erfüllten und glücklichen Partnerschaft größten Raum ein. So klinge oft Wehmut über Alleinsein und Einsamkeit durch die Zeilen, sagt die Frau von der Kirchengemeinde. Ein Marzahner wünscht sich sehnlichst die verloren gegangene Gesundheit zurück. Kaum vorhanden waren Wünsche nach dem Erhalt der natürlichen Ressourcen und der Umwelt. Für die Kirchengemeinde unverständlich, »ist es doch hier fünf vor zwölf«.

Bei Spätaussiedlern und Migranten steht ein Leben ohne Fremdenhass ganz oben auf dem Wunschzettel. Menschen sollen sich unabhängig von ihrer Herkunft frei entfalten können. Ältere Menschen, die Krieg, Hunger und Not erleben mussten, wünschen sich häufig Frieden. Aber auch Zwischenmenschliches: Sie wollen mit ihren Erfahrungen noch gebraucht werden und in den Familien soll wieder ein liebevoller Ton einziehen. So stand auf einem Wunschzettel: »Auch im öffentlichen Raum könnten sich die Leute doch einfach anlächeln.«

Brigitta Schauer: »Viele Menschen träumen von einer sozial gerechten und solidarischen Gesellschaft, in welcher der Mensch mit seinen Fähigkeiten das Maß aller Dinge ist und nicht Gewinn und Profit. Ein jeder ist es wert, dass er als vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt und geachtet wird. Dabei wollen die meisten von einem solchen Gemeinwesen nicht nur partizipieren, sondern sich in ihrem sozialen Umfeld aktiv einbringen und gebraucht werden.«

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