Janne Björklund
Foto: Glaßer
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ND: In Finnland wird derzeit der dritte Reaktorblock des Atomkraftwerks Olkiluoto gebaut, wobei sich die Kosten seit Beginn mehr als verdoppelt haben und das Projekt zudem Jahre im Verzug ist. Trotz dieser Erfahrungen plant der finnische Konzern Fennovoima, der zu einem Drittel dem deutschen Energieriesen E.on gehört, den Bau eines weiteren AKWs. Wie kann das sein?
Björklund: Wenn man die Umweltzerstörung durch Uranbergbau und radioaktiven Müll ignoriert, ist Atomenergie ein lohnendes Geschäft. Der voraussichtliche Energiebedarf Finnlands für das Jahr 2020 zeigt, dass das neue Atomprojekt vor allem für den Export von Strom gedacht ist – im eigenen Land sind genug Kapazitäten vorhanden. Es geht also nur um Profit.
Wie soll das Atomprojekt genau aussehen?
Fennovoima möchte in Nord-Finnland bei den Städten Simo und Pyhäjoki ein neues Atomkraftwerk bauen – die meisten Fragen sind aber noch offen. Erstmal muss eine Genehmigung vom Parlament erteilt werden. Dazu betreibt der Energiekonzern ein aufwendiges und kostspieliges Lobbying, um die politischen Entscheidungsträger für die Atompläne zu gewinnen.
Bis Sommer 2010 soll es eine Parlamentsentscheidung dazu geben …
Die Mehrheit der Parlamentarier ist zurzeit für den Bau neuer AKW in Finnland. Das finnische Atomenergiegesetz macht die Sache aber kompliziert: Es darf nur einmal über den Bau und die Firma, die dafür den Zuschlag bekommt, abgestimmt werden. Es kann also sein, dass sich die Parlamentarier für unterschiedliche Unternehmen entscheiden und im Endeffekt keines die nötige 50-Prozent-Hürde überwinden kann. Dann wäre das Atomprojekt gescheitert. Das Gezerre um neue Atomkraftwerke wird bis zur Abstimmung im Sommer 2010 weiter zunehmen. Vielleicht wird aber auch später abgestimmt. Dann werden die Atompläne Einfluss auf die Parlamentswahl haben und könnten auch so gekippt werden.
Schon nahe den Städten Ruotsinpyhtää und Kristiinankaupunki im Süden Finnlands mussten Kraftwerkspläne aufgrund starker lokaler Proteste aufgegeben werden. Wie steht die Bevölkerung zu den neuen Atomplänen?
Der Widerstand wächst. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 55 Prozent der finnischen Bevölkerung gegen neue Atomprojekte sind, vor sechs Monaten waren es noch 48 Prozent. Vor allem die Probleme rund um den Bau in Olkiluoto sind dafür verantwortlich: Dort explodieren die Kosten und die Bausubstanz ist mangelhaft. Zudem funktionieren die automatischen Sicherheitsvorrichtungen nicht. Dabei sollte der neue Reaktorblock der sicherste der Welt werden. Ein weiterer Grund für den zunehmenden Widerstand ist der Stromverbrauch: Finnland wird in Zukunft auch ohne neue Atomkraftwerke genügend Strom haben. Der Bau neuer Kraftwerke zum Zweck des Energieexports ist quasi ein Import von Atommüll.
Wie sieht die Strategie der Atomkraftgegner aus, um das Vorhaben zu stoppen?
Wir versuchen, unsererseits Einfluss auf das Parlament zu nehmen. Ein gutes Argument, um die Abgeordneten zu gewinnen, ist der Hinweis auf den Stromverbrauch. Wenn es keinen weiteren Bedarf gibt, gibt es auch keinen Bedarf an neuen Atomkraftwerken. Wir sind aber auch außerhalb des Parlaments aktiv und planen eine internationale Kampagne, um auch die ausländischen Profiteure eines möglichen Atomkraftwerkbaus in Finnland ins Rampenlicht zu ziehen: Dazu gehört in Deutschland der E.on-Konzern.
Interview: Michael Schulze von Glaßer
Janne Björklund ist Koordinator der Anti-Atomkraft-Kampagne des Umweltverbands» Finnish Association for Nature Conservation«.
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