Dass Lyrikerinnen und Lyriker sich in erster Linie ihrer selbst vergewissern, bevor sie die Welt ins Kleinste packen, ist geläufig und seit literarischen Äonen nicht neu. Nahezu jede oder jeder begann und beginnt so, um sich dann vorzuwagen aufs Terrain, das alle betrifft. Nicht mehr, aber auch nicht weniger tut Katrin Marie Merten, eine junge Leipzigerin und einstige Studentin am Deutschen Literaturinstitut, mit ihrem Debüt »Salinenland«, vorgelegt in der Literaturedition 2000, die neben bedeutenden Gedichtbänden des 20. Jahrhunderts auch »neuen Stimmen der deutschsprachigen Lyrik« eine Plattform bietet.
In den Kapiteln »Stadt«, »Schlaf«, »Takt«, »Raum« und »Wach« orientiert sich Katrin Marie Merten. An sich, am Gegenüber, an Realitäten und an den Übergängen zum Traum. Ein- drucksvoll gerät das im Zwischenmenschlichen, wo alltäglich stattfindende Trennungen einen neuen, eingängigen Rhythmus erhalten, wo »etwas fällt, etwas bricht, einer schreit, einer spricht, einer geht, einer bleibt«. Oder wo in der Beschreibung des Liebsten die Konturen des beschreibenden Ichs sich zu verlieren scheinen.
Überhaupt geht es in »Salinenland« um verschwimmende Grenzen, sich verflüchtigende Horizonte und ausgefranste Ränder der vermeintlichen Realität. Wirklich gut wird der Band in den feinen Beobachtungen von alltäglich geläufigen Wahrnehmungen, dann wenn zum Beispiel das rissige Holz eines alten Tisches zur Landkarte gerät oder Räume ihre »Muster im Mauerwerk«, verborgen in Raufasertapete und hineintapezierte Lebensgeschichten, nur zögerlich preisgeben. Wenn die Stadt noch im nie ganz versiegenden Licht tönt und der »Geruch von Suppenfleisch, Staub und dem Schweiß verschiedener Körper« sich mit dem »Summen der Glühbirnen und unserem Flüstern« vermengt.
»Salinenland« ist eine Verortung in Raum, Zeit, Gefühl und nicht zuletzt in der Sprache, wenn »plötzlich sicher ist, dass nichts bleibt, als das, was in Sätzen geschlossen zitiert«. Das alles ist noch nicht ganz rund, weist Brüche auf und zeigt einige unnütze (und ärgerliche) Redundanzen in Bildern, Metaphern und ganzen Texten, die fast Lektoratsfehler vermuten ließen, wenn man nicht wüsste, dass vor allem an Lyrikbänden mit Akribie gefeilt wird. Dennoch: Der Band ist ein recht hoffnungsvolles Debüt einer Autorin, der man wünscht, dass sie nach nun stattgefundener Positionierung wieder von sich lesen lassen wird, auf dass wir an neuen, dann geschärften Aufzeichnungen kleiner Dinge, in denen sich das Große findet, teilhaben werden.
Katrin Marie Merten: Salinenland. Lyrikedition 2000. 80 S., brosch., 8,50 €.
Re: Bequeme Informationsquelle ueber die Strategie der USA und des Vatikans.
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