Berlin (ND). Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der LINKEN, hat angebliche Rücktrittsforderungen von Vertretern westlicher Landesverbände zurückgewiesen. Er trete nicht zurück, erklärte er gegenüber ND am Mittwoch. In persönlichen Briefen an die Parteispitze hatten Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ihren Unmut über Bartsch geäußert und diesem illoyales Verhalten gegenüber Parteichef Oskar Lafontaine vorgeworfen. Bartsch nannte insbesondere den Vorwurf »absurd«, er habe Gerüchte über das Privatleben Lafontaines verbreitet. Bartschs Rücktritt gefordert zu haben, dementierten Bernd Riexinger (Baden-Württemberg) und Wolfgang Zimmermann (NRW) gegenüber ND am Mittwoch jedoch. Man wolle eine Wiederwahl Bartschs auf dem Parteitag im Mai verhindern, so Riexinger.
In einer kurzen Erklärung meldete sich am gleichen Tag auch Parteichef Lothar Bisky zu Wort. »Was ich da an Mutmaßungen und an Unterstellungen gegenüber unserem Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch lese, geht so nicht.« Selbstzerfleischend übereinander herzufallen, schade dem »Ansehen unserer Partei. Wir alle brauchen Oskar Lafontaine, aber auch Dietmar Bartsch, dessen Verdienste um die Entwicklung der Partei nicht ignoriert werden sollten.«
Das Dossier »Führungswechsel in der LINKEN« beleuchtet mit Interviews, Reportagen und Kommentaren die Frage die anstehenden Entscheidungen zur Führungsspitze der LINKEN. Mehr
Zu meinen Erfahrungen, die ich hier „tief im Westen“ gemacht habe. Im August 2009 war ich aus DIE LINKE ausgetreten, weil ich die Nase voll hatte, voll von den ewigen und nicht aufhörenden Machtkämpfen und Intrigen ehemaliger WASGler, ehemaliger Grüner und ehemaliger SPDler, gegen sach- und realpolitisch ehemalige PDSler. Was ich hier tief im Westen erlebe, hatte ich in Berlin – zumindest in meiner aktiven Zeit – nie erleben müssen. Hier stehen wahrhaftig die Positionen Realpolitik gegen Fundamentalpolitik gegenüber. Und wenn man keiner Strömung angehört, nicht radikal genug ist, dann ist man sehr oft und zum Leidwesen in der Minderheit. Was ich sagen will ist, dass ich hier sehr deutlich spüre und erlebe, dass Mitglieder aus den alten Bundesländern Posten besetzt haben möchten aus ihren Reihen, die Posten noch ehemalige PDSler aus dem Osten inne haben. Nichts anderes spiegelt die Kritik aus NRW und Baden-Württemberg gegenüber Dietmar Bartsch wieder. Wer ein wenig die politische LINKE Szene kennt, der weiß genau wovon ich schreibe. Statt Politik für die Menschen führen wir Machtkämpfe – pfui Teufel! Mir wird Angst und Bange um DIE LINKE und ihren sozialpolitischen Visionen, setzt sich die fundamentalistisch radikale Politik West gegen die Sach- und Realpolitik Ost durch. Geht Machtkampf vor Sachkampf, wird sich die Linke erneut spalten bzw. Ostlinke wandern zur nächstmöglichen linken Alternative, Beispiele gibt es genug. Wer dann die Gewinner sind, wissen wir zu genau, deshalb währet den Anfängen. Ich mag mich irren und hoffe dies. Aber ich habe Augen und Ohren wie auch einen Bauch. Und als Baujahr 54er habe ich, so denke ich genug Erfahrungen, um Dinge um mich herum einzuschätzen.
Gerald Janke - Essen
Tja, Garry, das Rangeln um Posten und Pöstchen – zumeist wegen der relativ ordentlichenBezahlung – ist im Osten genau so verbreitet wie im Westen. Die "inhaltlichen Diskussionen und Differenzen" sind in neun von zehn Fällen nur vorgeschoben. Am allermeisten nach der "Macht" giert doch der wild gewordene Kleinbürger. Das ist bei den Linken nicht anders als bei Unionierten, Sozis, Sponti-Grünen oder "Kwiedo-Anhängern". Eben deshalb findet sich in der Politik nahezu ausschließlich Mittelmaß. Aber das passt doch zur "Mitte der Gesellschaft", in die sie alle streben. Mittelmaß tritt ein, Mittelmaß macht mit, Mittelmaß steigt auf, Mittelmaß führt.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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