Die schnelle Schließung des berüchtigten Gefangenenlagers Guantanamo hat Amnesty International gestern erneut gefordert. Auf den Tag genau vor acht Jahren wurden die ersten 20 Terrorverdächtigen auf den US-Marinestützpunkt gebracht. Seitdem hat das Lager immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Viel stiller war es da meist um sein Pendant am Hindukusch – Bagram, das zentrale Internierungslager der US-Truppen in Afghanistan. Auch die 700 Insassen dort hatten den Status »feindlicher Kämpfer«, kein Recht auf einen Militäranwalt oder einen fairen Prozess. Bagram sei ein »Hort sadistischer Gewalt«, so eine unabhängige Untersuchung vor zwei Jahren. Während Präsident Obama mit der versprochenen Guantanamo-Schließung nur schleppend vorankommt, hat man für dieses finstere Erbe der Bush-Regierung eine andere Lösung gefunden: Die Häftlinge wurden vor einigen Wochen in einen neu errichteten Hochsicherheitskomplex verlegt, der erhielt einen anderen Namen, und nun wurde die Kontrolle über Parwan an die afghanischen Behörden übergeben. Doch vieles bleibt beim Alten. So haben die Häftlinge weiter keinen Zugang zu Anwälten und auch die Obama-Regierung verweigert ihnen bisher das Recht auf Haftprüfung vor einem Gericht. Parwan – das neue »vergessene Guantanamo«?
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