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13.01.2010

Wissenschaftler mit Bombe getötet

Iran beschuldigt USA und Israel der Verwicklung in den Anschlag in Teheran

Ein iranischer Professor der Physik ist bei einem Bombenattentat am Dienstag in Teheran getötet worden.

Teheran (dpa/ND). Nach Medienberichten war der Sprengsatz an einem Motorrad angebracht und detonierte in der Nähe des Hauses des Wissenschaftlers Massud Ali-Mohammadi. Es war zunächst nicht bekannt, ob der getötete Physiker am Atomprogramm seines Landes mitarbeitete. Teheran beschuldigte die USA und Israel, in den Anschlag verwickelt zu sein.

Nach Angaben des Teheraner Chefanklägers Abbas Dschafari Dolatabadi war Ali-Mohammadi an der Universität der Hauptstadt tätig. Dort arbeitete er nach Einschätzung westlicher Experten als theoretischer Physiker. In seinen Publikationen befasste er sich demnach überwiegend mit Kosmologie, Hochenergiephysik und Quantenphysik. Diese Arbeiten zeigen keinen direkten Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien wollte sich zu dem Mord nicht äußern.

Die iranische Führung verurteilte den Bombenanschlag und beschuldigte »Söldner der Weltmächte« als Täter. Mit dieser Formulierung werden meist Angehörige der Volksmudschaheddin umschrieben. Ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums sagte im staatlichen Fernsehen, es gebe Anzeichen dafür, dass die USA und Israel in den Vorfall verwickelt seien.

Die iranischen Volksmudschaheddin dementierten jede Verantwortung für den Anschlag. In einer Erklärung hieß es, der »in Iran regierende Faschismus« verfolge seine eigenen politischen Ziele und versuche »nicht zum ersten Mal«, dem Widerstand die Verantwortung in die Schuhe zu schieben.

Der Tatort im Norden Teherans wurde zur Spurensuche von der Polizei abgeriegelt. Anwohner berichteten, dass ihnen untersagt worden sei, vor Ende der Untersuchung ihre Häuser zu verlassen. Zunächst wurden keine Festnahmen gemeldet. Widersprüche tauchten im Zusammenhang mit der politischen Orientierung des Professors auf. Während Ali-Mohammadi von der Staatsanwaltschaft als loyal und regierungstreu eingestuft wurde, wurde auf einer oppositionellen Website behauptet, der Physiker sei Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gewesen.

Noch am Morgen hatte die iranische Führung Washington vorgeworfen, den Streit um das iranische Atomprogramm eskalieren zu lassen. Sie wies Äußerungen des US-Generals David Petraeus über »Notfallpläne« für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen zurück. »Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern«, erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums.

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