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Von Velten Schäfer 18.01.2010 / Inland

Rostocker Wohlfühltermin

Die Spitzen der Ost-LINKEN stehen hinter Dietmar Bartsch

Von Schwerin bis Dresden liegen die Sympathien der Linkspartei überwiegend bei Dietmar Bartsch. Der will vorerst bis Mai weitermachen – und dann erst neu nachdenken.

Am Ende scheinen alle gerührt gewesen zu sein. »Es war ein emotionales Erlebnis«, sagte der nunmehr scheidende Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am Samstag, nachdem er einer Vorstandssitzung in seinem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern beigewohnt hatte. Allerdings dürfe die vom Landesverband mit einigem Getöse angekündigte Veranstaltung nicht überbewertet werden. »Das heisst keineswegs, dass ich mich nach Nordosten absetzen würde«, so Bartsch weiter. Dort finden 2011 Wahlen statt, die Landesspitze hofft auf eine Regierungsbeteiligung.

Bartsch will nun als amtierender Bundesgeschäftsführer den Rostocker Parteitag im Mai vorbereiten. Was danach sei, könne er noch nicht absehen: »Ich bleibe linker Bundestagsabgeordneter aus Mecklenburg-Vorpommern«.

Nordost-Landeschef Steffen Bockhahn nannte die Sitzung einen »Wohlfühltermin, den sich Dietmar Bartsch verdient hat«. Nun müsse »schnell geklärt werden, ob wir nur einen neuen Geschäftsführer brauchen oder auch einen neuen Parteivorsitzenden«. Oskar Lafontaine müsse sich bald erklären. Fehler könne er bei Bartsch nicht erkennen. Dieser habe seinen Posten »loyal und erfolgreich« ausgefüllt. Bockhahn sieht eine Richtungsauseinandersetzung als Hintergrund des Streits, er selbst plädiert für eine »pragmatische Volkspartei«.

Eine Meldung der »Jungen Welt«, nach der auch in Mecklenburg-Vorpommern ein Dutzend namentlich nicht genannter Parteifunktionäre Bartschs Rückzug begrüßten, lässt sich nicht bestätigen. Aus der Landesarbeitsgemeinschaft Antikapitalistische Linke (AKL) hieß es am Sonntag, man wisse nicht, was zwischen Bartsch und Lafontaine vorgefallen sei und wolle sich aus dieser Form des Streites heraushalten.

Ost-West mag nicht die einzige Konfliktlinie sein, doch haben sich auch die Spitzen anderer Ost-Verbände mehr oder minder deutlich hinter Dietmar Bartsch gestellt. Der Brandenburger Landesvorstand erklärte, nun müsse es »wieder gelingen, länder- und flügelübergreifend« an den Berliner Bundesparteitag anzuknüpfen und »die Gemeinsamkeiten« in den Mittelpunkt zu stellen.

Berlins Parteichef Klaus Lederer bedauert, dass Bartsch nicht wieder antritt. Bisher sei es ihm gelungen, »den Laden« zusammenzuhalten. Auch Matthias Höhn und Bodo Ramelow, Landes- bzw. Fraktionschefs in Magdeburg und Erfurt, lassen keine Zweifel an ihrer Sympathie. Sachsens Landeschef Rico Gebhardt wetterte gegen »Denunziationen und Halbwahrheiten« Bartsch gegenüber. »Diese Form der Auseinandersetzung« sei »Ursache des Scheiterns des Sozialismus sowjetischer Prägung« gewesen.

Der Berliner Fraktionschef Udo Wolf brachte MdB Gesine Lötzsch als Nachfolgerin ins Gespräch.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Führungswechsel in der LINKEN

    Das Dossier »Führungswechsel in der LINKEN« beleuchtet mit Interviews, Reportagen und Kommentaren die Frage die anstehenden Entscheidungen zur Führungsspitze der LINKEN. Mehr

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • flitzpiepe, 17. Jan 2010 22:23

    Die Spitzen...

    Es ist ganz richtig, die Parteispitzen im Osten stehen größtenteils hinter D. Bartsch. Gemeinsam hatte man 2003 den unliebsamen Parteivorstand unter Gabi Zimmer "entmachtet", der Regierungsbeteiligungen auch nicht ablehnte, wie Oskar Lafontaine, aber das "Mitmachen bis zur Unkenntlichkeit" deutlicher als bisher kritisierte. Zwei Drittel ihrer Wähler verlor die PDS damals in MeVo und Berlin. DESHALB scheiterte man knappt an der 5-Prozent-Hürde bei den Bundestagswahlen 2002. Das (!) ist die Politik, für die D. Bartsch steht.

    • Permalink

  • canisvulpes, 18. Jan 2010 10:21

    Diskret im Hintergrund geblieben und wichtige Sacharbeit geleistet

    Das beste an Dietmar Bartsch war sein stets sachlich zurückhaltendes Auftreten. Man gestatte aber jedem seine Biografie und seine Erfahrungen
    aus 40 Jahren getrennter Entwicklung und 20 Jahren gefühlter Überrumpelung!

    • Permalink

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