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Von Michael Schulze von Glaßer 21.01.2010 / Inland

Mit Kreuz und Segen in den Krieg

Gegen die Zusammenarbeit von Kirche und Bundeswehr regt sich zunehmend Protest

Zum heutigen Soldatengottesdienst im Kölner Dom haben sich die Spitzen aus Politik, Bundeswehr und Kirche angekündigt. Doch gegen gemeinsame Veranstaltungen von Kirche und Militär macht seit Jahren die Friedensbewegung mobil.
Ein Bundeswehr-Hubschrauber landet während einer Werbeveran
Ein Bundeswehr-Hubschrauber landet während einer Werbeveranstaltung vor dem Dom in Münster.

Zum »33. Internationalen Soldatengottesdienst« lädt Kardinal Joachim Meisner heute in die Domstadt am Rhein. Den rund 1500 deutschen und ausländischen Soldaten und der politischen Führung – darunter auch Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) – soll für ihr militärisches Engagement der Segen ausgesprochen werden: »Einem gottlobenden Soldaten kann man guten Gewissens die Verantwortung über Leben und Tod anderer übertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesegnet sind«, so Kardinal Meisner bei einem der vergangenen Kölner Soldatengottesdienste. 1996 sprach Meisner die Soldaten mit dem Satz »In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher« von jeglichem Skrupel frei.

Ungestört sind Kirche und Militär bei ihren Zeremonien mittlerweile nicht mehr. In Köln gibt es bereits seit Jahren Proteste von Friedensaktivisten gegen den Soldatengottesdienst. Auch in diesem Jahr soll es wieder Aktionen geben, eine Kundgebung auf der Domplatte ist angemeldet.

Besonders in der Adventszeit spielen die 17 Musikkorps der Bundeswehr häufig in Kirchen. Gegen die »Unheilige Allianz« von Kirche und Bundeswehr demonstrierten am 1. Dezember vergangenen Jahres einige Friedensaktivisten in der St.-Mauritius-Kirche in Berlin-Lichtenberg. Dort wollte ein Luftwaffenmusikkorps ungestört auftreten. Nur wenige Tage danach sorgten Antimilitaristen in Hannover für Aufsehen als sie versuchten, eine Kirche zu besetzen. In dem Gotteshaus sollte ebenfalls ein Adventskonzert der Bundeswehr stattfinden. Nach dem Gottesdienst traten die jungen Aktivisten samt Transparenten ans Rednerpult und teilten der anwesenden Kirchengemeinde ihre Absicht mit, die Kirche für einige Tage zu besetzen. Die Kirchenleitung verständigte daraufhin die Polizei, welche die friedlichen Besetzer aus der Kirche trug.

Am 8. Dezember, dem Tag des Militärkonzerts in der Kirche, veranstalteten Friedensaktivsten dann ein Gegenkonzert vor dem Gotteshaus. Trotz des Rückschlags konnten die Hannoveraner Friedensaktivisten einen Erfolg feiern: Aus der Marktkirche, eine der größten Kirche Hannovers, wurde das Militär bereits vertrieben. Nach Protesten in den letzten Jahren musste die Bundeswehr auf eine kleinere, abseits gelegene Kirche ausweichen.

Ärger gab es auch beim 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag im Mai vergangenen Jahres in Bremen. Am »Abend der Begegnung«, der stets den Beginn eines Kirchentages markiert, spielte die Big Band der Bundeswehr auf der Haupttribüne. Links und rechts der überdachten Plattform hingen Transparente, die mit dem Slogan »Karriere-Chance Bundeswehr« warben. Die vom Verteidigungsministerium bezahlten Pfarrer der Militärseelsorge nutzten den Kirchentag zur Aufführung eines »Musical-Gottesdienstes zum Auslandseinsatz der Bundeswehr«. 34 Bremer Geistliche protestierten in einem Schreiben an die Organisatoren gegen den militarisierten Kirchentag: »Zum ersten Mal wurde auf dem Evangelischen Kirchentag für eine Bundeswehr-Karriere geworben, deren integraler Bestandteil die Ausbildung zum Töten ist. So etwas hat auf dem Evangelischen Kirchentag nichts zu suchen.« Etwa 800 Menschen nahmen an einer spontanen Friedensdemonstration auf dem Kirchentag teil.

Zumindest in der evangelischen Kirche könnte es aber einen Kurswechsel geben. Die seit Oktober 2009 amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landebischöfin Margot Käßmann, hat sich bei ihrer Neujahrspredigt in der Dresdner Frauenkirche kritisch zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr geäußert. Zudem ist sie seit 2002 Präsidentin der Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerung.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • odeon, 21. Jan 2010 21:47

    Die Pfaffen segnen so ziemlich alles

    »In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher.«
    Kardinal Meisner, Köln.

    Meisner ist allseits bekannt für seine fast schon demagogischen Reden/ Predigten. Nicht umsonst musste er sich mit dem Vorwurf "Hassprediger" auseinander setzen.
    Das o.g. Zitat ist einfach nur peinlich und zeigt von tiefer religöser Blindheit.

    Denn:

    So beteten die Kreuzritter, bevor sie im Namen Gottes Nichtchristen erschlugen.


    So beteten die Soldaten der deutschen Wehrmacht, dann zogen sie los und mähten nieder, was ihnen vor die Flinte kam.


    Auch die US-Amerikaner beteten, ehe sie mit ihren B 52 Bombern aufstiegen und Napalmbomben auf vietnamesische Dörfer warfen, in denen Menschen bei lebendigem Leib verbrannten.

    Da stellt sich angesichts der Worte von Kardinal Meisner die Frage:


    Was ist dann Mißbrauch von Waffen.????

    Thomas Häntsch
    www.fotologie-website.de

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  • Revo, 21. Jan 2010 18:13

    Hat mit der Lehre Jesu nichts mehr zu tun

    Der Kriegsdienst war für Christen in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus verboten. Auf der Synode von Arelate (314 n. Chr.) verpflichtete Kaiser Konstantin Christen zum Kriegsdienst. Wer sich weigerte, wurde entlassen und exkommuniziert, Fahnenflucht später sogar mit Enthauptung und Verbrennen bei lebendigem Leibe geahndet. Die noch ausstehende theologische Rechtfertigung für den Krieg lieferten dem Staat und der Kirche später die Theologen und "heiligen" Kirchenväter Augustinus und Thomas von Aquin. Beide postulierten den von Gott gewollten "gerechten Krieg": "Glaube nicht, dass jemand, der mit den Waffen Kriegsdienst verrichten will, Gott nicht gefallen könnte", belehrt uns Augustinus.
    Dass die evangelische Kirche dieses Prinzip gleich bei Ihrer Gründung übernommen hat, belegt Artikel 16 der Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis, welches 1530 Kaiser Karl V. in Augsburg von Philip Melanchthon überreicht wurde. Es ist noch heute gültig und enthält - ähnlich wie in der katholischen Kirche - Glaubenswahrheiten, deren Nichtbefolgung Hölle und ewige Verdammnis zur Folge haben):
    „Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung sind, die von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dass Christen ohne Sünde in Obrigkeit, Fürsten- und Richteramt tätig sein können, nach kaiserlichen und anderen geltenden Rechten Urteile und Recht sprechen, Übeltäter mit dem Schwert bestrafen [Anmerkung: also Todesstrafen aussprechen und als Henker exekutieren], rechtmäßig Kriege führen... Hiermit werden die verdammt, die lehren, dass das oben Angezeigte unchristlich sei.“

    Links zum Thema:
    Die Kirche - immer für den Krieg
    www.theologe.de/theologe6.htm
    Zitate von bekannten Kirchenleuten über den Krieg
    www.unmoralische.de/christlich.htm#krieg

    • Permalink

  • Joss, 21. Jan 2010 16:57

    Sonntags länger schlafen hat halt auch was Gutes an sich

    Zu Hause bleiben am Sonntag, länger schlafen, lässt sich sogar - halb relig., halb säkular, ganz gut rechtfertigen. So manches Problem lässt sich durch pure Bequemlichkeit - sich und anderen - ersparen.
    ivanmedienhorror.blogspot.com/2010/01/kirchenaustritt-beantragen-guten.html

    • Permalink

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