Port-au-Prince (dpa/AFP/ND). Die Zahl der offiziell nach dem Erdbeben am 12. Januar registrierten Toten erhöhte sich inzwischen auf mehr als 112 000, wie Haitis Zivilschutz mitteilte. Insgesamt konnten die Rettungskräfte 133 Überlebende aus zerstörten Gebäuden ziehen. Rund 194 000 Menschen wurden verletzt, bis zu einer Million Haitianer haben seit dem Beben vor knapp zwei Wochen kein Dach mehr über dem Kopf, hunderttausende leben nach der Zerstörung ihrer Wohnungen in Zeltlagern.
Nach Angaben der Regierung existieren im Erdbebengebiet etwa 330 wilde Camps mit je Tausenden von Obdachlosen. Die Regierung schicke jetzt medizinische Dienste dorthin, um Verletzte zu suchen und sie angemessen medizinisch zu behandeln, sagte Haitis Informationsministerin Marie-Laurence Jocelyn Lassègue im Gespräch mit dpa.
Alle Menschen, die eine Möglichkeit haben, die Hauptstadt Port-au-Prince zu verlassen, wurden aufgefordert, das möglichst bald zu tun. Die Vereinten Nationen schätzen, dass etwa eine Million Überlebende aufs Land fliehen werden.
Der am Sonnabend gerettete Mann namens Wismond Exantus hatte elf Tage unter den Trümmern des Hotels »Napoli Inn« gelegen. Er wurde befreit, nachdem er mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Er überlebte in einem Hohlraum unter meterhohem Schutt. Dort hatte er Zugriff auf die Vorräte eines kleinen Hotelladens mit Lebensmitteln und Getränken. Nach seiner Rettung gab er an, in den ersten Tagen noch Geräusche anderer Überlebender in den Trümmern gehört zu haben, sie seien jedoch vor etwa zwei Tagen verstummt.
Kurz bevor die Suche nach Überlebenden am Freitag offiziell für beendet erklärt worden war – was mehr als 60 internationale Rettungsteams jedoch ignorierten – wurden auch noch eine 84-Jährige und ein 21-Jähriger lebend aus den Trümmern gezogen.
In Port-au-Prince gab es erste Anzeichen für eine leichte Entspannung der Lage. Dort bildeten sich Menschenschlangen vor privaten Banken, von denen einige wieder ihre Schalter öffneten. Straßenhändler legten in der zerstörten Metropole ihre Waren aus. Der Hafen war teilweise wieder geöffnet.
In Vorbereitung einer Geberkonferenz für den Wiederaufbau Haitis, die für März geplant ist, wollen am Montag Vertreter von mehr als 20 Staaten im kanadischen Montréal über die Koordinierung der Hilfe diskutieren. Zu dem Treffen reisen unter anderem USA-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner an.
Die Bundesrepublik stockte ihre Hilfe für Haiti weiter auf. Entwicklungsminister Dirk Niebel stellte weitere fünf Millionen Euro bereit und verdoppelte damit die Unterstützung aus dem Fonds seines Hauses. Insgesamt erhöhte die Bundesregierung damit die bilaterale Hilfe auf 15 Millionen Euro. Darüber hinaus ist die Bundesrepublik an den EU-Hilfen mit rund 66 Millionen Euro beteiligt und unterstützt das von der Weltbank angekündigte Engagement in Höhe von insgesamt 100 Millionen US-Dollar (70 Millionen Euro).
Es gibt keine Wunder. Eine sozialistische Zeitung sollte auf solchen Hokuspokus verzichten!
Ein Wunder ist im strengen Sinne etwas, was es in der Realität nicht geben kann, sondern nur in Märchen. Dennoch ist es im Sprachgebrauch üblich, auch solche Dinge als "Wunder" zu bezeichnen, die es zwar geben kann, die aber nur mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind. Dabei sind fast ausschließlich positive Dinge gemeint.
Wenn jemand sagen würde: "Angela Merkel wird öffentlich erklären, dass der Kapitalismus ein menschenfeindlicher absurder Irrtum ist", dann wäre es dem Sprachgebrauch nach adäquat zu sagen: "Das wäre ein wahres Wunder!"
Da Sprache dem Menschen, nicht der Mensch der Sprache dienen sollte, sehe ich das von Ihnen monierte Problem nicht. Vor allem gibt es meines Wissens auch kein deutsches Wort, das einen äußerst unwahrscheinlichen glücklichen Zufall bezeichnet. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass die gelebte Sprache die von mir genannte zweite Bedeutung des Wortes "Wunder" übernommen hat.
Doch wichtiger scheint mir zu sein, wie äußerst sparsam die fette BRD mit Spendengeldern im Falle internationaler Notlagen vorgeht, verglichen etwa mit den Kosten des Krieges gegen die Menschen in Afghanistan.
Zudem sollten in Anbetracht der ungeheuren Not in Haiti wirklich jede und jeder, soweit sie zumindest ein paar Euro locker machen können, helfen. Ich habe selbst sehr wenig Geld, habe aber bereits gespendet. Von meiner mittlerweile verstorbenen Mutter weiß ich, in welcher Not Mütter mit Kindern sein können, wenn Zerstörung, Lebensmittel- und Medikamentenmangel wüten.
Die Artikel im Neuen Deutschland gefallen mir ebenso wie die hier zulässige Diskussionsfreiheit sehr, diese Zeitung
setzt Maßstäbe. Wer hätte das vor 25 Jahren gedacht? Also sollte niemand sagen: "Wunder gibt es nicht!"
Winfried Sobottka, United Anarchists
Eben weil es in der Alltagssprache üblich, aber falsch, weil nicht realistisch ist (Märchen), sollte eine sozialistische Zeitung darauf verzichten. Man (die Sprache) dient den Menschen nicht, in dem man sie hinters Licht führt. Vielmehr muss Aufklärung hier das erste Gebot sein!
Dem Artikel oben ist eindeutig zu entnehmen, mit welcher Bedeutung der Begriff "Wunder" verwendet wurde, insofern liegt hier mit Sicherheit keine Irreführung vor.
Doch ich behaupte, dass in anderen Fällen massive Irreführung vorliegt, die massive gesellschaftliche Schäden bewirkt, und ich unterstelle, dass Sie, obwohl Sie sich hier so stark als Kritiker in Sachen Semantik und Pragmatik der Sprache gerieren, sich in anderen Fällen unbedacht selbst schwer schuldig machen:
1. Das Analogon zur Anrede "Herr" wäre die Anrede "Herrin", das Analogon zur Anrede "Frau" wäre die Anrede "Mann". Wie reden Sie den Mann namens Schulze an, wie die Frau namens Schulze? Ist Ihnen klar, dass die Anrede "Herr Schulze" diesen Mann über die mit "Frau Schulze" angeredete Frau stellt, ihn zum Herrscher der Familie erklärt und zugleich mit dem einzigen Christen- und Judengott auf eine Stufe ("Der Herr erbarme sich unser!") ? Darüber sollten Sie einmal nachdenken.
2. Kinder und Jugendliche erden gesellschaftsüblich geduzt, müssen Erwachsene aber Siezen. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund, denn alle Menschen sind grundsätzlich gleichen Wertes. Aber es gibt einen unvernünftigen Grund: Die nachwachsenden Generationen lernen permanent, dass es ein "Oben" und ein "Unten" gibt und dass sie selbst zu dem "Unten" gehören. U.a. so wird Untertanengeist subtil eingeflößt.
3. Floskeln wie: "Sehr geehrte..." und "Mit freundlichen Grüßen" werden unbedacht auch dann verwendet, wenn Leute sich an staatliche Schwerverbrecher wenden (Googeln z.B: unter KINDERKLAU). Damit erzielen sie einen beachtlichen neagtiven Effekt: Anstelle verdienter gesellschaftlicher Verachtung erfährt der Missetäter / die Missetäterin noch Ehrung und freundliche Grüße. Damit erzielt man nicht notwendige Erziehung, sondern bestätigt asoziales Verhalten als ehrenhaft.
Winfried Sobottka, United Anarchists
Ich bin kein Herr, denn ich stehe nicht aber anderen, schon gar nicht über irgendeiner Frau. Wenn Kinder mich siezen, sage ich ihnen, dass sie mich entweder duzen sollen, oder dass ich sie andernfalls auch siezen müsste. Wenn ich an staatliche oder andere Verbrecher schreibe, dann fehlt die Anrede entweder ganz, oder es heißt: "Hallo, Peter Müller!" Als Grußformel findet man dann: "Mit anarchistischen Grüßen", während ich in anderen Fällen zumindest "Mit freundlichen anarchistischen Grüßen" beende.
Winfried Sobottka, United Anarchists
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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