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Zeichnung: Reiner Schwalme
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Selbst der lange Zeit als erklärter Gegner von Doppelspitzen geltende Dietmar Bartsch kann sich »in dieser Situation« auch eine solche Lösung vorstellen. Der Bundesgeschäftsführer der LINKEN, der nach Illoyalitätsvorwürfen gegenüber Oskar Lafontaine auf eine erneute Kandidatur für dieses Amt im Mai auf dem Rostocker Parteitag verzichtet, erklärte am Montag in Berlin, dass die LINKE mit Lafontaines am Wochenende verkündetem Rückzug in eine schwierige Situation geraten sei. Schließlich stehe Lafontaine wie kein anderer für den Erfolg der LINKEN. Doch nun müsse man diese »Zäsur« als Herausforderung begreifen, die bewältigt werden müsse und könne. Die Architektur der LINKEN werde künftig weniger von Einzelpersönlichkeiten geprägt, sagte Bartsch und nahm sogar – wenn auch betont scherzhaft – das Wort von der »kollektiven Führung« in den Mund.
Die Last soll künftig auf mehrere Schultern verteilt werden, weil die Position Oskar Lafontaines niemand wahrnehmen könne, erklärte Bartsch und meinte unter anderem auch die umstrittene Doppelspitze, ohne sich zu Namen äußern zu wollen. Die allerdings werden seit dem Wochenende ganz öffentlich gehandelt. Klaus Ernst und Gesine Lötzsch am häufigsten. Aber auch Petra Pau, Katja Kipping und Dagmar Enkelmann wurden gestern immer wieder als Kandidatinnen genannt. Pau und Enkelmann haben inzwischen mit Verweis auf ihre Ämter abgewinkt. Gegenüber ND begründete Dagmar Enkelmann dies mit ihren Aufgaben als Parlamentarische Geschäftsführerin im Bundestag. Hier allerdings sieht sie eine neue Verantwortung auf die Abgeordneten der Fraktion zukommen. Die Fraktion habe ihre Rolle als Referenzprojekt der jungen Partei offenbar verloren und müsse sich konzeptionell deutlicher in die Debatten der Partei einbringen. Enkelmann kündigte eine Klausur der Fraktion zu diesem Thema an.
Ungeachtet dessen jubelte einer der älteren Befürworter der Doppelspitze, Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow, der sich von der Vernunft der Frauen viel erhofft. Er erwartete in der ihm eigenen Ungeduld sogar für den gestrigen Abend schon eine Vorentscheidung. Und ist damit nicht allein. Selbst der Schweriner Fraktionschef Helmut Holter, der in den ostdeutschen Landesverbänden eher eine Tendenz gegen die Doppelspitze beobachtet hatte, räumte gestern ein, dass die Verlängerung dieses Führungskonstrukts über 2010 hinaus »im Interesse der weiteren Vereinigung der LINKEN in Ost und West« von Nutzen sein könne. Sowohl Bartsch als auch Holter warnten ebenfalls vor »lähmenden« wie langen Personaldebatten, weil man die bundesweit gewonnene Stärke nicht aufs Spiel setzen dürfe – und sich wirklich wichtigen Zukunftsfragen für das Land widmen müsse.
Doch das Personalkarussell in der LINKEN beschäftigt nicht nur die eigene Partei. Während CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erneut vor einer angeblich ohnehin geplanten Zusammenarbeit zwischen SPD und Linkspartei warnte, ging die Debatte um Regierungsbündnisse in der SPD mit wüsten Spekulationen über die Entwicklung der LINKEN weiter. Dafür hatte Bartsch gestern wenig übrig. Ausdrücklich sehe er nicht, dass Bündnisse nach Lafontaines Rückzug leichter geworden wären, weil die SPD sich inhaltlich noch nicht bewegt habe: »Ich plädiere immer für einen inhaltlichen Wettstreit.«
Das Dossier »Führungswechsel in der LINKEN« beleuchtet mit Interviews, Reportagen und Kommentaren die Frage die anstehenden Entscheidungen zur Führungsspitze der LINKEN. Mehr
In einem wie immer gut unterrichteten Beitrag wird hier im ND geschrieben, "die vom scheidenden Parteichef Oskar Lafontaine vorgeschlagene künftige Doppelspitze" würde sich breiter Zustimmung erfreuen. Das ist wohl wahr. Aber wer hats erfunden? Ist die Doppelspitze wirklich eine Idee von Lafontaine, oder hatte der Vorschlag nicht auch anderswo schon längst reüssiert, bevor ihn sich der Saarländer zu eigen machte? Nun, wahr ist allerdings, dass es einen Unterschied macht, ob der bloß Interessierte im Weinberg des Herrn etwas ins Spiel bringt, oder der Vorsitzende selbst für dasselbe plädiert. Also sagen wir: Danke für diesen Vorschlag, Oskar Lafontaine! (Oder lieber doch nicht?) Hier übrigens wurde schon im Juni angeregt, künftig im "gemischten Doppel" weiterzumachen. Da konnte aber noch keiner ahnen ... lafontaines-linke.de/2009/06/gemischtes-doppel/
Mir dämmert etwas, als ob die Grünen die Doppelspitze...
Na ja, es kommt ja auch noch darauf an, welche Art von Leuten dort sitzt... ;)
In gleichen Situationen sagen wir interessanterweise nicht nur immer das Gleiche, sondern wir tun oft auch das Gleiche und haben gleiche Ideen. Ist es wirklich wichtig, wer die Doppelspitze erfunden hat? Und hat der, der sie zuerst praktiziert hat, sie denn wirklich auch erfunden??? Egal, die Doppelspitze ist ein Kompromiss. Ich bin weder größter Fan von Klaus Ernst noch von Gesine Lötzsch, aber ich kann damit leben, da Gregor Gysi ja nicht mehr bereit ist (dessen größter Fan ich auch nicht bin, aber von der Außenwirkung her hätte ich ihn bevorzugt). Die Idee eines "doppelten Bundesgeschäftsführers" hingegen finde ich irgendwie komisch. Wird es da nicht ein Kompetenzgerangel geben? Das ist bzw. das sind ja dann die, die die tatsächliche Arbeit im Hintergrund machen sollen, oder? Ich bin gespannt, welches DUO diese Funktion ausfüllen wird. Hat dann vielleicht jeder der zwei Vorsitzenden seinen eigenen Bundesgeschäftsführer? ;-)
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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