Als der VGB 1994 gegründet wurde, ging es ihm wie vielen neuen Berufsverbänden: Der Arbeitgeber zog alle Register der rechtsförmigen Abschreckung: Wer sich der neuen Organisation anschloss, wurde mit Kündigung bedroht. Der VGB musste bis vors Bundesarbeitsgericht ziehen.
Die Auseinandersetzung hatte eine besondere Note: VGB steht für »Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten« – und der Arbeitgeber, der VGB-Leuten mit dem Rauswurf gedroht hatte, war eine DGB-Gewerkschaft. Noch heute meint der Verband, möglichen Interessenten versichern zu müssen, »keine gegnerische Organisation zum DGB und seinen Gewerkschaften« darzustellen.
Es hat vier Jahre gedauert, bis der VGB 1998 anerkannt war. Doch ein entspanntes Verhältnis pflegen die Gewerkschaften noch immer nicht zum Mitarbeiter-Verband. Das zeigt sich auch aktuell: Anderthalb Prozent und eine schmale Einmalzahlung – das Angebot der Gewerkschaftsspitze an die Mitarbeiter ist eins von der Sorte, gegen das in jedem anderen Fall mobilisiert werden würde. Den Arbeitgebern im Öffentlichen Dienst, deren Angebot gerade erwartet wird, bekäme eine solche Offerte schlecht.
»Weniger als nichts« gebe es zu verteilen, so Thomas Böhle, der Verhandler der Kommunen. Ver.di zückt gegenüber den eigenen Mitarbeitern sogar das Argument, Lohnsteigerungen führten zu Stellenabbau. Ver.di hat zwar recht, auf den teuren Vereinigungsprozess zu verweisen und auf das neue Entgeltsystem, das vielen Beschäftigten 2008 zu einer Hochstufung verhalf. Dennoch muss anerkannt werden, dass inzwischen das sechste Jahr ohne allgemeine Lohnerhöhung angebrochen ist.
Dies ist eine Situation, in der die Gewerkschaft kaum unterhalb von 2,5 oder drei Prozent abschließen kann – schon um ihr Gesicht zu wahren in all den regulären Auseinandersetzungen, die da kommen werden. Es ist jedenfalls keine Alternative, aus der Gewerkschafterehre eine Schere im Kopf der Mitarbeiter schmieden zu wollen. Selbstausbeutung mag bei ausreichendem Idealismus eine Weile funktionieren – irgendwann aber endet sie in Frustration und Zynismus. Beides sind nicht die Eigenschaften, auf denen eine erfolgreiche Organisation auf Dauer aufbauen könnte. Velten Schäfer
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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