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Von Kay Wagner, Brüssel 05.02.2010 / Europa

Europas Verbraucher zahlen mit ihren persönlichen Daten

EU-Regelungen zum Schutz von Internetnutzern greifen zu kurz

Der Schutz persönlicher Daten im Internet ist eine der großen Aufgaben für den europäischen Gesetzgeber. So sehen das Verbraucherschützer, die in Brüssel zu einer Debatte einluden. Die Werbeindustrie vertritt einen anderen Standpunkt.
»Drin«
»Drin«

»Ich bin ja schon drin!« Boris Becker, der einstige Tennisstar, hatte in einem Werbespot zu staunen, wie schnell das geht mit dem Internetanschluss. Ein, zwei Handgriffe am Computer, und schon war der Exprofi Teil der Online-Gemeinschaft. Alles einfach, alles super – so verkaufte es die Industrie vor ein paar Jahren. Was sie verschwieg und was auch heute noch viele Betreiber von Online-Diensten nicht sagen: So schnell wie man »drin« ist, so schnell ist man auch registriert. Ohne zu wissen, wo und von wem. »Auch von den Leuten, die sich mit Online-Marketing beschäftigen, wissen viel zu wenige, wie das ganze überhaupt funktioniert«, sagt dazu Auke Haagsma, Direktor der von Industrievertretern gegründeten Initiative für einen wettbewerbsfähigen Online-Handel (ICOP). Selbst öffentliche Stellen, die sich mit dem Thema Internet und Datenschutz beschäftigen, kennten sich zu wenig aus.

Ist das ein Problem? Verbraucherschützer finden: Ja. Deshalb brachte deren europäischer Dachverband Beuc Vertreter unterschiedlicher Branchen, die mit dem Datenhandel im Internet zu tun haben, dieser Tage in Brüssel zu einer Tagung zusammen. Denn Beuc interessiert sich für das Internet. Ist es doch längst zu einer Plattform geworden, die den Markt der herkömmlichen Medien aufmischt und dadurch eine wachsende Rolle im Alltag der Bürger spielt. Immer mehr Menschen nutzen das Internet, um Informationen zu suchen, sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen oder Einkäufe zu erledigen. Die Werbeindustrie hat dies erkannt und versucht, Kunden durch das Internet zu gewinnen. Alain Heureux als Präsident des Verbandes Interactive Advertising, der Vertreter der interaktiven Werbung vereinigt, sprach davon, dass Unternehmen in Großbritannien 2009 mehr Geld für Werbespots im Internet als für solche im Fernsehen ausgegeben hätten.

Was die Verbraucherschützer jedoch stört, ist der Umgang mit den Daten der Online-Nutzer, ohne das die Betroffenen davon etwas mitbekommen und ihr Einstimmung dazu geben. Die Online-Werbung geht diesen Weg. Ihr Ziel ist es, den einzelnen Internetnutzer mit genau den Werbemitteilungen zu beliefern, die ihn interessieren könnten. Dafür muss man etwas wissen über die Person, die im Internet »drin« ist. Und dieses Wissen wird durch Beobachtung des Verbraucherverhaltens bei der Nutzung des Internets erworben. Jeder Klick, jede Surf-Bewegung kann dank sogenannter Cookies elektronisch registriert und mit der Internet-Zugangsnummer (IP-Adresse) des Computers in Verbindung gebracht werden. Die Informationen werden anschließend an Unternehmen weitergereicht, die sie für Webezwecke nutzen. Wehren können sich Verbraucher gegen diese Spionage kaum.

Beuc möchte verhindern, dass das so bleibt. Deshalb tauschte man sich in Brüssel erst einmal über die verschiedenen Standpunkte aus. Wie soll mit Daten umgegangen werden, die bei Kaufverträgen im Internet angefordert werden müssen? Wie mit persönlichen Mitteilungen, die in Foren wie Facebook oft sorglos ins Netz gestellt werden? Welche Ethik besteht bei Kinderwerbung? Wie wird »Kind« überhaupt im Internet definiert? Gehört die IP-Adresse schon zu den persönlichen Daten?

Klare Antworten wurden nicht gefunden. Weshalb sich Beuc dazu berufen fühlt, das Thema künftig mit Nachdruck zu verfolgen. »Das Internet ist nicht kostenlos, Verbraucher zahlen mit ihren persönlichen Daten, ohne dass sie es wissen«, fasste Generaldirektorin Monique Goyens die Kritik zusammen. Ihr Verband setzt auf die Gesetzgebung, um Besserung zu erreichen. Die Industrie sieht in Selbstverpflichtungen den besseren Weg.

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