»Fünf Todesopfer durch Lawine« – solche Schlagzeilen sind derzeit nicht selten. Seit langem bemühen sich Fachleute um Systeme, um vor Lawinen zu warnen und Verschüttete zu retten. Im Chiemgau wurden kürzlich fünf Lawinenhunde mit GPS-Geräten versehen. Diese erfassen den Weg der Hunde. Am Bildschirm in der Einsatzzentrale kann man dann sehen, ob ein Hund wiederholt über ein und dieselbe Stelle lief – ein klares Indiz für einen Verschütteten.
An einem ganz anderen System arbeitet das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Prien am Chiemsee. Dessen Ingenieure bauen darauf, dass die meisten Skifahrer und Wanderer ein Handy dabei haben, jedenfalls häufiger als einen sogenannten Lawinenpiepser. Für ihren »Avalanche Rescue Navigator« (ARN), einen Rettungsnavigator, haben sie eine hochpräzise Ortung entwickelt. Sie wird das europäische Satellitensystem »Galileo« nutzen, das 2012 in Betrieb gehen soll.
»Wir wollen eine Ortsgenauigkeit von deutlich unter einem Meter erreichen, viel besser als bei Piepsern. Mit ARN ist, verglichen mit herkömmlichen Suchmethoden, beim gesamten Rettungsablauf eine Zeitersparnis von 40 Prozent möglich«, heißt es in Prien. Wegweisend im wahrsten Sinn kann diese Innovation auch für die Suche nach Erdbebenopfern sein.
Da »Galileo« noch nicht arbeitet, nutzen die Priener Experten Sender, die auf sechs Gipfeln nahe Berchtesgaden stehen. Diese ahmen die »Galileo«-Signale nach.
High-Tech-Verfahren spielen für Lawinenforscher schon seit Jahren eine Rolle. Sehr hilfreich sind Satellitenaufnahmen. Weil Schnee je nach Beschaffenheit das Licht unterschiedlich reflektiert, lässt sich dadurch auf die Art der Schneekristalle und damit auf den Lawinentyp schließen. Spezialisten wie die am Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Schweizer Davos nutzen auch Computersimulationen und gezielt ausgelöste Lawinen, um Erkenntnisse für Warnung und Rettung zu gewinnen.
Man muss freilich nicht in die Ferne und die Alpen schweifen, um auf findige Rettungsfachleute zu stoßen. Das BioRadar BR 402 der Berliner Firma BOS spürt dank Radarwellen und PC – oft nach Vorarbeit durch Hunde – menschliche Lebensfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Bewegungen auf. »Zusammen mit dem Technischen Hilfswerk und den Kollegen in Davos sind wir bei BOS dabei, bis zum Sommer unsere Geräte noch besser zu machen. In Davos haben wir schon erfolgreiche Versuche absolviert«, berichtet der Physik-Professor Richard Schimko. »Uns geht es vor allem um Hilfe bei Lawinen und ebenso bei Erdbeben.«
Im Osten erlaubt, im Westen verboten - über letzteres im ND kein Wort
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