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Von Ulrike Henning
06.02.2010

Profitable Pandemiewarnung

Europarat zweifelt an WHO-Entscheidungen zur Schweinegrippe

Wie konnte ein inzwischen als recht harmlos eingeordnetes Grippevirus die größte Impfkampagne aller Zeiten auslösen? In die länger werdende Reihe der Kritiker der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Sachen Schweinegrippe reihte sich vergangene Woche auch der Europarat in Strasburg mit einer Anhörung ein.

Angeregt vom Arzt und ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wodarg befragte der Gesundheitsausschuss des Europarates Vertreter von WHO und Pharmaindustrie zu heiklen Punkten der Schweinegrippekampagne. Experten und Abgeordnete warfen der UN-Organisation vor, die Influenza voreilig zur Pandemie erklärt zu haben. Nach Ansicht des Medizinprofessors Ulrich Keil von der Universität Münster habe dies zu hysterischen Reaktionen bei Regierungen und Medien geführt.

Luc Hessel von der europäischen Vereinigung der Impfstoffhersteller bestätigte, dass es bereits vor Ausrufung der Pandemie durch die WHO im Juni Verträge mit einzelnen Regierungen für den Ankauf von Impfstoffen gegeben hatte. Bei Ausbruch einer Pandemie gebe es keine Zeit für Verhandlungen. Nach seiner Auffassung reagierte die Pharmaindustrie »völlig transparent« auf die Forderungen aus der Politik. Keiji Fukuda, WHO-Grippe-Experte, wies in Straßburg zunächst alle Anschuldigungen zurück. Er räumte jedoch ein, dass »einzelne Personen« in seiner Organisation möglicherweise Interessenkonflikte mit der Pharmaindustrie verschwiegen haben.

Laut Wodarg spielte die WHO mit ihrer Pandemieentscheidung eine Schlüsselrolle: »Sie entschieden über Ausgaben im Gesundheitswesen über weltweit 18 Milliarden Dollar. Die Firmen hatten sich vorbereitet.« Zuvor hatte die Organisation im Mai 2009 zwei entscheidende Punkte der bisherigen Pandemiedefinition gestrichen: Die hohe Zahl der Erkrankten und die Sterblichkeit verschwanden daraus. Die abgeschwächte Festlegung wurde im Juni auf H1N1 angewendet.

Für Andrej Hunko (Die LINKE), Bundestagsabgeordneter und Ausschussmitglied im Europarat, blieb insbesondere die Frage offen, warum und unter welchem Einfluss die WHO ihre Kriterien abmilderte. Spätestens im Herbst will der Ausschuss einen Bericht in die parlamentarische Versammlung des Europarates geben, der dann Empfehlungen an die Regierungen enthalten kann.

2009 sagte die WHO voraus, das neue Virus könne zwei Milliarden Menschen anstecken und hunderttausende Leben kosten. Aber im Laufe des Jahres wurde immer deutlicher, dass die neue Grippe nicht der große Killer ist. Im Resultat fortgesetzten Alarmgeschreis nationaler Gesundheitsbehörden rund um den Globus verschleuderten Regierungen riesige Summen für Impfstoffe. Die USA gaben zwei Milliarden Dollar für Medikamente aus und setzten weitere 7,5 Milliarden Dollar zur Pandemievorbereitung ein. Spätestens Anfang 2010 waren die Länder mit Millionen unnützer Impfdosen versehen.

Was für Regierungen in eine gigantische Ressourcenverschleuderung mündete, war für die Hersteller ein hervorragendes Geschäft: Zeitgleich mit der Anhörung veröffentlichte der Schweizer Pharmariese Novartis seine Ergebnisse für 2009. Über 100 Millionen Influenza-A/H1N1-Dosen konnte das Basler Unternehmen verkaufen. Allein im vierten Quartal wurde in der Sparte Impfstoffe und Diagnostika ein Umsatzplus von 166 Prozent erreicht. Die Pandemieimpfstoffe lieferten dazu einen Umsatzbeitrag von einer Milliarde Dollar.

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