München/Berlin (dpa/ND). Im Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat der Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen mit einem NS-Vergleich vor einem Generalverdacht gegen den Orden gewarnt. Der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan sagte der »Heilbronner Stimme«: »Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlecht zu machen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen. Und die Gefahr, dass das passiert, ist groß.« Der 73 Jahre alte von Gemmingen nahm zugleich einen der Patres in Schutz, die sexuellen Missbrauch begangen haben sollen. »Ich stehe zu ihm. Der hat gesündigt, wenn ich das so sagen darf. Leider laufen in Deutschland noch viele andere Sünder rum, auf die niemand mit dem Finger zeigt«, sagte von Gemmingen. Es sei aber gut, dass die Fälle aufgedeckt werden. Von Gemmingen war selbst Schüler und Präfekt am Jesuitenkolleg in Sankt Blasien, wo es auch Opfer gab. Die Jesuiten in Deutschland und speziell auch in St. Blasien seien »betroffen, erschüttert, traurig, ärgerlich, beschämt«. Früher, so der 73-Jährige, habe man nur versucht, einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, heute gehe man vom Leid der Opfer aus und dürfe Missbrauch von Jugendlichen nicht tolerieren.
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