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Von Andreas Fritsche 08.02.2010 / Berlin / Brandenburg

Ziegenhals-Freunde packen nicht ein

Rund 250 Menschen nahmen an einer Kundgebung vor der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte teil

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Rote Nelken klemmen im Maschendrahtzaun der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals. Es kommen immer noch Menschen und stecken weitere Blumen dazu. Der private Eigentümer erhielt bekanntlich schon vor Jahren die Genehmigung, das Gebäude abreißen zu lassen. Traurig findet das ein Polizist. Er bedauert: »Wir können nichts tun.«

Rund 250 Menschen beteiligten sich am Sonntag an einer Kundgebung auf der Straße vor dem eingezäunten Areal. »Was ist eigentlich heute der Anlass«, fragte ein Mann, der wohl wusste, dass je eine Kundgebung zum Geburtstag und zum Todestag Ernst Thälmanns üblich sind. Die dritte Kundgebung gibt es traditionell zum Jahrestag der illegalen KPD-Funktionärskonferenz. Diese Konferenz tagte am 7. Februar 1933 mit dem Parteivorsitzenden Thälmann in der Gaststätte Sporthaus Ziegenhals. Bei der Konferenz handelt es sich um ein ganz frühes Beispiel des Widerstands gegen die gerade an die Macht gekommenen Faschisten. Deshalb hat Ziegenhals einen so hohen Symbolwert, und nicht zuletzt deshalb wünschen sich viele Menschen den Erhalt der Gedenkstätte – viel mehr, als am Sonntag herausfuhren und bei vier Grad unter dem Gefrierpunkt ausharrten.

Kürzlich wies das brandenburgische Verfassungsgericht eine Klage ab, die auf den Erhalt der Thälmann-Gedenkstätte abzielte. »War es das jetzt, auflösen, einpacken?« fragte der Freundeskreisvorsitzende Max Renkl gestern. Er beantwortete die Frage gleich selbst: »Ganz sicher nicht.« Die Ablehnung der Verfassungsklage sei ein Rückschritt, bekannte Renkl. Zwar seien die juristischen Mittel ausgeschöpft, doch wolle man weiter politisch Druck machen. Mindestens drei Kundgebungen pro Jahr solle es weiterhin geben und der Autokorso nach Potsdam werde wiederholt. Als möglichen Weg, die Gedenkstätte wieder zu öffnen, nannte Renkl eine Enteignung.

Ernst Thälmann und zehntausende andere Kommunisten seien ihrer Überzeugung bis in den Tod treu geblieben, erinnerte Ellen Brombacher, Bundessprecherin der zur Linkspartei gehörenden Kommunistischen Plattform. Doch heute werden laut Brombacher stattdessen Filmemacher wie Leni Riefenstahl und Veit Harlan gewürdigt. Von den Regisseuren stammten berüchtigte Propagandafilme der Nazizeit wie »Triumph des Willens« (1935) und »Jud Süß« (1940). In Westdeutschland habe nach 1945 der Antikommunismus weiterregiert, sagte Brombacher. Die demnächst tagende Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform werde in Sachen Ziegenhals einen offenen Brief an die rot-rote Landesregierung in Brandenburg schreiben, versprach sie.

Während der Reden versagte auf einmal das Mikrofon. Ihm fehlte der Strom. Zunächst hieß es, jemand habe das Kabel durchgeschnitten und dies sorgte für Empörung. Tatsächlich handelte es sich aber wohl doch nur um einen technischen Defekt. Als das mit Sprit betriebene Stromaggregat neu befüllt und angeworfen werden musste, hatte es sich herausgestellt, dass die Reißleine nicht mehr funktionierte. Es sah so aus, als sei sie einfach abgerissen. Weiter ging es mit Hilfe eines Megafons.

Dass die Faschisten vier Teilnehmer der Ziegenhalser Tagung vor 65 Jahren ermordet haben, daran erinnerte der Regionalforscher Fred Bruder am Rande der Kundgebung. Es handelt sich um die Widerstandskämpfer Georg Schumann, Albert Kuntz, Theodor Neubauer und Ernst Grube. Ihnen war die Befreiung nicht vergönnt. Sie starben, als die Rote Armee schon sehr nahe stand, Ernst Grube nur einen Monat vor der endgültigen Niederlage der Faschisten.

www.etg-ziegenhals.de
77. Jahrestag der illegalen Tagung des ZK der KPD ... (Fotogalerie)

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