In dieser Woche werden im kanadischen Vancouver hehre Worte fallen. Wenn am Freitag zur Eröffnung der XXI. Winterspiele das Olympische Gelöbnis gesprochen wird, ist darin die Rede von »loyalen Wettkämpfern«, dem Achten der Regeln, »ritterlichem Geist«, Ruhm und Ehre. Olympisches Gelöbnis. Olympischer Geist. Olympischer Frieden.
Rund 6000 Kilometer östlich von Vancouver herrscht alljährlich Krieg. Monatelang. Der Nordosten der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador ist Schauplatz einer der weltweit größten Massentötungen von Wildtieren. Hunderttausende Robben, festgelegt in einer »Quote« der Regierung in Ottawa, sind der Willkür und Brutalität der Jäger ausgesetzt.
Unmittelbar vor den Spielen in Vancouver wurde die Quote für Kegelrobben verkündet: 50 000. Hinzu kommen Sattel- und Mützenrobben, sodass die Gesamtzahl der Todesurteile auch in der kommenden Saison weit über 300 000 liegen dürfte. Es wird erschlagen, erschossen oder ertränkt. Nicht einmal die hierzulande von der Jägerschaft zynisch beschworene »Waidgerechtigkeit« ist ein Thema, geschweige denn »ritterlicher Geist«. Die im Packeis zum Massakrieren Freigegebenen haben nicht den Hauch einer Chance. Kritische Kommentare bei Eröffnung der Spiele wie 2008 in China wird es indes nicht geben. Es sind ja nur Tiere.
Ein Grund weniger, Olympia in Kanada mit viel Vegnügen zu beobachten.
Ich frage mich nur: Wie weit geht die Sympathie mit der geschundenen Kreatur, wenn man den Ruhm einer "Olympischen Medaille" erringen kann?
Ich hoffe, dass ARD und ZDF (eine öffentl. rechtl. Anstalt wäre ausreichend vertreten) auch über negative Dinge wie Robbenschlachten, Walfang und Benachtteilungung der indigenen Bevölkerung berichtet. Dabei sein ist eben nicht alles...
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