16.02.2010

Größte Offensive seit Sturz des Taliban-Regimes

15 000 afghanische und ausländische Soldaten sind in der südlichen Provinz Helmand im Einsatz

Nach dem Tod von zwölf Zivilisten bei der Großoffensive gegen die Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand wollen Regierung und Militärs Unbeteiligte besser schützen.

Laschkarga (dpa/ND). Der afghanische Innenminister Mohammad Hanif Atmar kündigte am Montag in der Provinzhauptstadt Laschkarga an, man werde auf den Einsatz von schwerer Artillerie verzichten und sich täglich mit Stammesältesten über die Operation »Muschtarak« (Gemeinsam) beraten. Außerdem wolle die Regierung einen Radiosender im Kampfgebiet installieren, um Zivilisten besser zu informieren. Nach Angaben der NATO-geführten Besatzungstruppe ISAF waren am Sonntag zwölf Zivilisten gestorben, als zwei Raketen ihr Ziel um mehrere hundert Meter verfehlt hatten.

US-Brigadegeneral Lawrence Nicholson sagte dem US-Fernsehsender CBS, die Militäroperation in Mardscha könne möglicherweise noch 30 Tage dauern. Es werde zwar eine lange und mühsame Aufgabe sein, aber er sei »sehr optimistisch«. Die Aufständischen hätten mehr Sprengfallen installiert, als die Militärs erwartet hätten. Die Sprengfallen erschweren den Vormarsch der Truppen.

Am Sonntag habe starke Gegenwehr der Taliban US-Marineinfanteristen zu vorsichtigem Vorrücken gezwungen, berichtete die »Washington Post«. Die »New York Times« schrieb von heftigen Kämpfen am Sonntag in der Gegend um Mardscha. Zunächst hatten Militärs erklärt, die Taliban leisteten nur sporadischen Widerstand. Die Truppen gehen nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN davon aus, dass sich noch Hunderte Taliban-Kämpfer im Kampfgebiet verschanzt haben.

Präsident Hamid Karsai hatte die Truppen zu Beginn der Offensive aufgefordert, die Zivilbevölkerung zu schützen. Auch die Vereinten Nationen hatten einen entsprechenden Appell an die Konfliktparteien gerichtet. Die ISAF meldete am Montag, bei der Operation »Muschtarak« seien am Vortag mehrere Aufständische getötet oder gefangen genommen worden. Bei den Truppen habe es Verletzte gegeben. Einzelheiten nannte die ISAF nicht. Die Operation mit 15 000 afghanischen und ausländischen Soldaten ist die größte Offensive gegen die Aufständischen seit dem Sturz des Taliban-Regimes. Mit ihr sollen die Taliban aus den Distrikten Mardscha und Nad Ali vertrieben werden.

Angesichts der vorrückenden Truppen forderte die Regierung die Taliban erneut zu einem Ende der Gewalt auf. »Heute ist unsere Botschaft an sie (die Taliban) diese: Ihre beste Möglichkeit ist, das afghanische Friedens- und Versöhnungsprogramm zu nutzen«, sagte Minister Atmar. Sollten die Taliban sich zu einer Teilnahme an dem Versöhnungsprogramm entschließen, »werden wir definitiv positiv reagieren«.

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