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Von Hans-Gerd Öfinger 18.02.2010 / Inland

Nazis suchen neue Wege

Rechte streiten nach Dresden-Niederlage / Kramer würdigt Blockierer

Das Scheitern ihres geplanten Trauermarsches anlässlich des 65. Jahrestages der Bombardierung Dresdens sorgt in der rechtsextremen Szene für eine kontroverse Richtungsdebatte.

Auf der rechtsextremen Internetplattform Altermedia wird seit letztem Wochenende heiß diskutiert, wie man mit der Niederlage umgehen kann und vor allem, welche Konsequenzen daraus folgen sollen. Christian Worch, einer der führenden Kader in der Kameradschaftsszene, hat dort einen Beitrag eingestellt, der nach dem »vorhersehbaren« Ergebnis fordert, die nächste »nationale Großdemonstration« als Sternmarsch zu veranstalten.

»Peinlich« findet einer der Nazi-Kommentatoren den Vorschlag und arrogant, »aber das kennt man von Worch«, schreibt er. Worch hat vor Jahren schon das Sternmarsch-Konzept in Leipzig praktiziert, allerdings mit mäßigem Erfolg. Deshalb wird ihm vorgeworfen, dass gerade er es besser wissen müsse. Zuletzt hatte Worch nur noch wenige Dutzend Mitläufer nach Leipzig mobilisieren können. Andere halten die Idee durchaus für überdenkenswert.

Besonders unter den »Autonomen Nationalisten« ertönen dagegen Rufe nach mehr Militanz. Der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) als Veranstalter in Dresden wird mit ihrem Setzen auf den legalistischen Weg Versagen vorgeworfen. Dass man wie die »Schafe« Stunde um Stunde nur herumgestanden habe, das scheint die Ehre vieler Nazis tief gekränkt zu haben.

Ein anderer Vorschlag auf der Homepage sieht künftig medienwirksame Aktionen – ähnlich Flashmobs – vor: »Warum nicht einfach als normales Volk an den offiziellen Veranstaltungen teilnehmen und das Wort ergreifen? Oder zu Tausenden unerkannt in die Stadt einsickern und dann spontan zuvor von einzelnen Kleingruppen geplante witzige und humorvolle oder originelle Aktionen durchziehen, die dann wiederum in den eigenen Medien dokumentiert werden?«

Zunächst aber plant die rechtsextreme Szene am 5. März einen neuen Anlauf in Chemnitz. Zum 65. Jahrestag der Bombardierung der Stadt will man nun dort aufmarschieren. Eine Anmeldung der NPD liege vor, bestätigte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD).

Unterdessen hat das Bündnis »Nazifrei! – Dresden stellt sich quer!«, das die Blockaden am vergangenen Samstag organisiert hatte, angekündigt, sich auch in Zukunft den Nazis in den Weg stellen zu wollen. Wenn die JLO auch im nächsten Jahr zum Gedenktag an die Zerstörung Dresdens zum Trauermarsch blase, gehe das Bündnis gleichsam an den Start, kündigte Bündnissprecherin Lena Roth an.

»Hätten sich die Blockaden nicht als erfolgreich erwiesen, hätte auch die Menschenkette keinen Erfolg gehabt«, würdigte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stefan Kramer, am Mittwoch das Engagement der Blockierer.

Die Menschenkette, die von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) initiiert worden war, sei »ein zartes Pflänzchen, aber ein tragfähiges Konzept für die Zukunft ist sie allein nicht«, sagte Kramer.

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