In der Bildung holen die Frauen auf. Liegt das Bildungsniveau der Berliner Männer insgesamt noch höher als das der Frauen, wurde bei den 25- bis 35-Jährigen indes festgestellt, dass mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss haben. Mädchen sind heute erfolgreicher an Schulen. Sie durchlaufen ihren Bildungsweg schneller, erwerben häufiger einen Schulabschluss und besuchen öfter ein Gymnasium als Jungen. Und für ausländische Schülerinnen gilt das auch.
Das besagt der Erste Berliner Gender Datenreport, der gestern von Frauensenator Harald Wolf (LINKE) vorgestellt wurde. Die Studie beschäftigt sich mit der Bevölkerungsentwicklung, der Bildung und Erwerbstätigkeit, dem Einkommen, Gesundheit und politischer Teilhabe von Männern und Frauen. Die Daten wurden mit Hilfe des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg erfasst und sind online für jeden Interessenten kostenlos zugänglich. Der Bericht, erklärte Wolf, schließe eine Lücke. Er sei ein Angebot für alle, die sich für Geschlechterfragen und soziale Stadtentwicklung interessierten.
Vor allem den hohen Frauenanteil im universitären Bereich betonte Wolf: 2008 seien 46 Prozent der erfolgreich Promovierenden und 47 Prozent der Juniorprofessoren Frauen gewesen. Mit einem weiblichen Anteil an den regulären Professuren von 25,6 Prozent stehe Berlin an der Spitze aller Bundesländer. »Dies sind gute Voraussetzungen für die Entwicklung einer wissensbasierten Wirtschaft und eines hochwertigen Dienstleistungssektors«, bilanzierte Wolf.
Der Report zeigt allerdings auch, dass sich der Bildungserfolg für die Frauen noch nicht auszahlt. Rund 42 Prozent der 35- bis 55-jährigen Männer erzielen ein monatliches Netto-Einkommen von über 1500 Euro. Bei den Frauen der gleichen Altersgruppe sind es nur 32 Prozent. Mit steigendem Alter wird diese Kluft sogar noch größer.
Frauen gehören weitaus öfter als Männer zu den Geringverdienenden und seltener zu Höherverdienenden als Männer. Die Teilzeitarbeit ist bei Frauen weitaus verbreiteter als bei Männern. 32,2 Prozent der weiblichen Beschäftigten arbeiten Teilzeit, ein Drittel davon unfreiwillig. Stundenlöhne oder Gehälter zwischen den Geschlechtern unterscheiden sich teilweise um bis zu 25 Prozent. Laut Wolf sind vor allem alleinerziehende Frauen benachteiligt. Diese würden durchschnittlich am häufigsten Arbeitslosengeld II beziehen.
Fortschritte bei bei der Gleichstellung der Geschlechter, erklärte Wolf, seien eng mit der Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen verbunden. »Dafür ist die sorgfältige Beobachtung der Entwicklungen in den wichtigsten gesellschaftlichen Bereichen nötig.«
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