Charlotte Noblet
20.02.2010
Berlinale 2010

Es war eine lange Geschichte

"bibliothèque Pascal"

Bunt und kitschig ist der Film von Szabolcs Hajdu über eine Mutter im Jugendamt, die ihre Geschichte erzählen muss, um das Sorgerecht für ihre kleine Tochter zu bekommen.

Alles bleibt fantasievoll und märchenhaft, selbst wenn es eigentlich um graue Sachen wie Frauenhandel und Sex-Sklaven im skurrilen S/M-Bordell geht. Das Verbrechen wird immer wieder dank Träumen und Hellseherei aufgelöst.

Diese rosarote Brille ist manchmal so extrem, dass sie auch als eine Art Fluchtmöglichkeit wirkt. Darf die alleinerziehende osteuropäische Mutter ihre wahre Geschichte nicht erzählen? Wären ihre Erzählungen sonst unerträglich?

Nach dem Film erzählte die Hauptschauspielerin Orsolya Török-Illyés, dass sie zehn Tage wegen eines unbezahlten Parkplatzes im Gefängnis war und dort mit vielen Prostituierten sprechen konnte: „Sie sagen, dass sie viel von der Welt gesehen haben, viel große Liebe erlebt haben. Sie brauchten wahrscheinlich diese Fantasiewelt, um die Realität zu überleben.“ „Jeder braucht es zu träumen“, fügt der Regisseur Szabolcs Hajdu hinzu. „In Rumänien sind Märchen sehr populär, dort werden Träume schnell auf- und abgebaut. Deswegen wollte ich sie in meiner Welt einfangen. Ich hatte auch keine Lust auf noch so eine schwere Produktion über das Thema Frauenhandel und Prostitution.“

Die Zuschauer können im Kino träumen und erfahren, wie Andere, die eigentlich alles haben aber sich unendlich einsam und bedürftig fühlen, zu „Albtraummachern“ werden können.

Dieser Switch zwischen Traum- und Realwelt ist dem Familienteam also gelungen – Regisseur und Hauptdarstellerin sind die Eltern der kleinen Lujza Hajdu. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich.

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