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Von Hans-Gerd Öfinger 23.02.2010 / Wirtschaft

Solidaritätsappelle für Opel-Werk

In Antwerpen möchte man sich nicht mit den Schließungsplänen abfinden

Vertreter europäischer Metallgewerkschaften beraten heute über gemeinsame Aktionen gegen den geplanten Umbau von Opel, insbesondere die Schließung des Werks Antwerpen. In Belgien gibt es bereits eine breite Solidaritätsbewegung.

Seit der Bekanntgabe der Stilllegungspläne für das Opel-Werk in der belgischen Hafenstadt Antwerpen blockieren die Arbeiter die Werkstore rund um die Uhr. Damit wollen sie sicherstellen, dass als »Faustpfand« immer mindestens 5000 Neuwagen auf dem Werksgelände bleiben. Sie wollen so Verhandlungen über eine Weiterführung des Betriebs erzwingen.

Die Konzernspitze möchte die Schließung, von der 2600 Beschäftigte und weitere 8000 Arbeiter in Zulieferfirmen betroffen wären, bis Sommer durchdrücken. Dies wäre für die nordbelgische 470 000- Einwohner-Metropole mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit von offiziell rund 17 Prozent eine Katastrophe. Um die Jahrtausendwende waren im Werk noch 6600 Personen beschäftigt.

Das Opel-Management setzt auf Zermürbung und hofft, dass sich die Belegschaft am Ende mit Abfindungen für den Arbeitsplatzverlust abspeisen lässt. Allerdings wissen viele Arbeiter, dass von ihren bei der letzten Entlassungswelle »freigesetzten« 1300 Kollegen hinterher nur 16 einen Arbeitsplatz ohne Lohneinbußen fanden. Mit der Wirtschaftskrise dürfte den allermeisten klar sein, dass sie sich nicht lange über den »goldenen Handschlag« einer hohen Abfindungssumme freuen könnten.

Mit ihren Aktionen für die Weiterführung des Werks finden die Opelaner starken Zuspruch in Bevölkerung, Gewerkschaften und linken Parteien, der sich auch in Besuchen vor Ort und landesweiten Solidaritätsaktionen ausdrückt. Demnächst ist eine größere Menschenkette um den Betrieb geplant.

Auf der vom sozialistischen Gewerkschaftsbund ABVV gestarteten Website »www.solidaritatfur- opelantwerpen.be« können Besucher einen in deutscher Sprache abgefassten Solidaritätsappell unterzeichnen. »Keine staatliche Unterstützung für einen sozialen Friedhof!«, lautet eine Forderung des Aufrufs, der sich für einen grenzüberschreitenden Kampf gegen Betriebsschließungen ausspricht. Mit ihrer Website »www.zomervanopel.be« werben Prominente aus Politik, Gewerkschaft und Kultur für eine breite Solidaritätsbewegung und argumentieren, dass der Opel-Konflikt zentrale gesellschaftliche Bedeutung für ganz Belgien habe.

Politische Konsequenzen aus dem drohenden Kahlschlag fordert Erik de Bruyn, Sprecher der Parteilinken in der flämischen Sozialdemokratie. In einem Aufruf verlangen er und zahlreiche weitere Unterstützer einen »Plan B« für den ökologischen Umbau der Produktion sowie die Verstaatlichung des Opel-Werks und Weiterführung unter gesellschaftlicher Kontrolle. Damit könnten die Arbeitsplätze gesichert und das technologische Potenzial für umweltfreundliche Mobilität eingesetzt werden.

»Wenn die Zentralregierung und die flämische Regionalregierung mit viel Geld die Banken retten konnten, warum sollen sie dann nicht auch Opel übernehmen?«, argumentieren die Verfasser. Der Betrieb gehöre schon zu einem guten Teil dem Steuerzahler, nachdem seit 1996 bereits 28 Millionen Euro an öffentlichen Subventionen in das Werk geflossen seien und die Regionalregierung für 2010 rund 500 Millionen Euro Staatshilfe für Opel eingeplant habe.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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