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Von Tobias Riegel
25.02.2010

Cyborg mit Schwachstelle

Gangsterrapper 50 Cent gastierte mit durchgeplanter Show in der Columbiahalle

Es war ein unerwartetes Bild der Harmonie: Rapstar 50 Cent und seine G-Unit (Gangster- bzw. Guerilla-Einheit) wiegen sich sanft zu Bob Marleys »Is this Love« und entzünden ihre Grasjoints auf der Bühne: »Berlin, Du musst high werden«, lautete der dazu passende Kiffer-Schlachtruf, der sonst lieber mit automatischen Waffen fuchtelnden bösen Buben aus den USA. Währenddessen flimmerten üppige Marihuana-Pflanzen über die Monitore. Beim Konzert der berüchtigten Hip-Hopper am Dienstagabend in der Columbiahalle wurde mit einigen befürchteten Klischees gebrochen – viele dagegen wurden munter bestätigt.

Zu Letzteren gehören natürlich die permanent aus den Boxen ballernden Pistolenschüsse und die machohafte Selbstdarstellung – vom Bühnenbild, dass einen riesenhaften 50 Cent als gruseligen Cyborg zeigt, über zahlreiche Kostümwechsel der Sänger bis hin zum unvermeidlichen Moment, in dem der Rapper das T-Shirt auszieht. Darunter verbirgt er nicht nur seine reichlich vermarkteten acht Schusswunden, sondern auch einen terminatorhaften Extrem-Bodybuilding-Körper.

Der 1975 unter dem Namen Curtis Jackson in New York geborene Sänger hätte allein auf diesen Zutaten seinen Weltruhm allerdings nicht aufbauen können. Interessant macht ihn und seine Musik – neben einer zumindest respektablen Kompromisslosigkeit in den gewalttriefenden Texten – vor allem eine merkwürdige Verletzlichkeit in der Stimme. Diese ist in ihrer Nacktheit und Melancholie ein wohltuender Kontrast zu den meist knüppelharten Texten, wirkt als Schwachstelle im Testosteron-Panzer. Auch kann man der Thriller-Lyrik der G-Unit zumindest Rhythmus und Witz nicht absprechen. Zwar kann 50 Cent Reim-Virtuosen wie Rap-Kollege Eminem nicht das Wasser reichen – deutsche Nachahmer wie Bushido lässt er aber in Punkto Dichterqualitäten (und deren Interpretation) unerreichbar hinter sich.

Dass diese Begabungen auch auf der Bühne einigermaßen differenziert rüber kamen, zeugt von 50 Cents Professionalität. Und es widerlegt das hin und wieder bestätigte Vorurteil, Hip-Hop-Konzerte seien eher lieblose Angelegenheiten, die entweder kurzfristig abgesagt werden oder aber nur mit einem statischen DJ, einem grölenden Rapper und schlechter Soundqualität aufwarten.

In der Columbiahalle drohte das Konzert zeitweise eher in die andere, zu perfekte Richtung zu kippen. Denn für Spontanes oder Improvisiertes blieb während der knapp 90-minütigen, straff durchgeplanten Show kein Platz. Dafür stärkte aber ab etwa einem Drittel eine tadellose vierköpfige Band dem DJ den Rücken, und hüllte die Songs in teilweise neues, reizvolles Gewand. So etwa die frenetisch bejubelten »This is how We do«, »Disco Inferno« oder das neuere »So Disrespectful«.

Gespielt wurden Produktionen aus der gesamten Schaffensperiode seit 2003 – dem Jahr, in dem der angeschossene Ex-Dealer vom Genre-Mogul Dr. Dre und Eminem entdeckt wurde. Mit als erstes Lied erklang dann auch »Crack a Bottle«, eine der neueren Kolaborationen der drei zwischenzeitlich zerstrittenen Hip-Hop-Schwergewichte. Wirkliche Leidenschaft im Publikum entfachten aber vor allem Werke von der Debut-LP. Zurecht – solch unbestrittene Qualität wie etwa »Many Men« hat 50 Cent seither nicht wieder kreiert.

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