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Von Anna Maldini, Rom
25.02.2010

Katastrophe für Mensch und Tier

Öl und Diesel verseuchen nach Raffineriesabotage italienische Flüsse

»Ökobombe« und »Umweltkatastrophe« – diese Worte beschreiben drastisch, was sich in den letzten Stunden in der Lombardei, nahe der Metropole Mailand ereignet hat: Aus drei Tanks einer stillgelegten Raffinerie sind hunderttausende Liter Heizöl und Dieseltreibstoff in den italienischen Fluss Lambro geflossen.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um eine mutwillige Tat und kein Unglück handelt. Irgendjemand muss in der Nacht zum Dienstag die Tanks der Lombarda Petroli angebohrt oder die Ventile geöffnet und dann zugesehen haben, wie Öl und Benzin in enormen Mengen ausliefen. Einige Quellen gingen von 10 Millionen Litern aus, das wären etwa 670 Tanklastwagen. Der Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni, sprach von 600 000 Litern. Die Verantwortlichen des Werkes sollen erst spät und nur zögerlich Alarm geschlagen haben. Wer ein Interesse an der Tat haben könnte, ist noch völlig unklar. Möglicherweise geht es aber um Bauspekulation, weil das Gelände, auf dem die Raffinerie steht, Objekt der Begierde anderer Firmen gewesen sei.

Aber das steht derzeit absolut im Hintergrund. Im Augenblick versucht man verzweifelt, die Situation wenigstens teilweise unter Kontrolle zu bekommen, obwohl man wohl schon jetzt sagen kann, dass hier eine der größten Umweltkatastrophen im Gange ist, die Norditalien je erlebt hat. Tausende Vögel – vor allem Enten und Kormorane – sind bereits verendet. Selbst in einem Mailänder Park, dem Parco Lambro, hat man ölverschmierte verendete Tiere gefunden. Viele Felder in diesem Herzstück der Lombardei werden wohl über Jahre unfruchtbar sein.

»Welche Ausmaße die Katastrophe wirklich hat, kann man noch nicht einmal abschätzen«, erklären die Leute vom Zivilschutz und die vielen freiwilligen Helfer der Umweltorganisationen. Eine der größten Kläranlagen der Gegend, die das Schmutzwasser von etwa 500 000 Menschen verarbeitet, ist bereits außer Betrieb, weil das Öl die Maschinen verstopft. In den Städten Lodi und Monza stinkt es bestialisch nach Öl und Benzin, so dass viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schulen geschickt haben.

Der 130 Kilometer lange Lambro ist ein Nebenfluss des Po und die schwarze Flut fließt praktisch unaufhaltsam in den größten italienischen Fluss. Jetzt versucht man mit Sauggeräten und überdimensionalen Löschblättern wenigstens die oberste Ölschicht abzutragen, weiß aber noch nicht genau, wohin man das umweltschädliche Material überhaupt bringen soll. Die Barrieren, die man in regelmäßigen Abständen im Fluss anbringt, haben nur einen Bruchteil des Öls aufhalten können. Welche Schäden die Ölpest im Po anrichten kann, wagt sich niemand auszumalen: Das Delta des Flusses, der südlich von Venedig in die Adria fließt, gehört zu den schönsten und intaktesten Ökosystemen Italiens.

Die Region Lombardei hat jetzt den Notstand ausgerufen, um möglichst schnell und unbürokratisch agieren zu können, streitet aber ab, dass es gesundheitliche Gefahren für die Bevölkerung gibt. Unterdessen ist der Lambro nur noch ein stinkendes schwarzes Etwas. Und dabei soll sein Name nichts anderes bedeuten als »der Fluss mit dem klaren Wasser«.

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