Der Name ist Programm: Denkweisen außerhalb gängiger Schubladen wollen die MacherInnen von »outside the box« vermitteln, schreiben sie im Editorial zur ersten Ausgabe. Ziel ist es, feministische Debatten in linken Zusammenhängen stärker zu verankern: »Die Herausgabe dieser Zeitschrift zeugt von unserer Überzeugung, dass feministische Debatten und Kämpfe auch innerhalb linker Strukturen nach wie vor unabdingbar sind.« Damit besetzen sie eine Lücke. Tatsächlich gibt es hierzulande wenige Zeitschriften, die Brücken zwischen diesen beiden »Welten« schlagen. Und das, obwohl man sich in linken Zusammenhängen theoretisch wohl einig ist, dass Feminismus kein »Frauenthema« ist.
Passend haben die HerausgeberInnen für ihr Debüt den Schwerpunkt Emanzipation gewählt. In den ersten Texten des Hefts werden vor allem theoretische Grundlagen von Patriarchat und feministischen Kämpfen durchleuchtet. So beschreiben Mitglieder der Redaktion in einem eigenen Beitrag die Geschichte der aufklärerischen Idee und werfen Fragen auf nach der Notwendigkeit von – eben nicht nur weiblicher, sondern menschlicher – Emanzipation.
Kristina Biene Holme liefert eine kurze Geschichte der feministischen Philosophie von Simone de Beauvoir bis Judith Butler und skizziert darin grundlegende Ansätze der uns heute wohl bekanntesten Ausformungen des Feminismus. Im Anschluss folgen eine Reihe von Beiträgen zu konkreten gesellschaftlichen Debatten. So gibt es etwa eine Analyse der »Frauenfrage« in der historischen DDR-Gesellschaft oder zu den »Gegenemanzipationsbestrebungen« rechter Frauen.
Sarah Diehl und Kirsten Achtelik erläutern im Interview, wie das deutsche Abtreibungsgesetz die Entscheidungsfreiheit von Frauen einschränkt. Sie zeigen auf, wie Moralvorstellungen von Politik, Religion und ÄrztInnen das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper unterminieren. Diehl und Achtelik geben auch eine Einschätzung zu den jüngsten Gesetzesänderungen, die in der Öffentlichkeit unter dem Stichwort »Spätabtreibungen« bekannt wurden.
Ebenfalls sehr interessant ist der Beitrag von Anna Kow zum oft komplizierten Verhältnis von Feminismus und Sex. Darin greift die Autorin die heftigen innerfeministischen Auseinandersetzungen um Themen wie Pornographie, SM-Sex und Sexarbeit noch einmal auf, die vor allem die 1970er und 1980er bestimmten. Sie setzt sie in Verbindung mit jüngeren Debatten, die oft viel sex-positiver ausfallen. Wichtig ist der Beitrag vor allem deshalb, weil die Diskussion um eben jene Themen in den letzten Jahren vor allem innerhalb queerer linker Strukturen neu aufgeflammt und damit wieder aktuell ist. Spannend bleibt dabei weiter die Frage nach dem Verhältnis von Sex und Emanzipation.
Alles in allem ein lesenswertes Heft, von dem zu hoffen bleibt, dass es in linken Zusammenhängen tatsächlich aufgegriffen wird, um linke Blockaden gegen feministische Gesellschaftskritik zu lösen.
Deutsche Teaparty? Die Occupy-Bewegung streitet über ihre politische Orientierung
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