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Marion Pietrzok
09.03.2010
Personalie

Nach Hause

Kathryn Bigelow gewann als erste Frau den Oscar für die beste Regie

Oscar-Verleihung in Hollywood: die alljährliche Werbeveranstaltung für die US-amerikanische Filmindustrie und ihren Kulturexport per Leinwand-Okkupation in aller Welt. Die Inszenierung der Show als Unterhaltungssendung für zig Millionen Fernsehzuschauer (Ah, Erster – ätsch, Zweiter) hat darüber hinaus oftmals auch einen wirklichkeitsbezogenen Effekt anderer Art: Als Podien für die Statements der Preisträger mit Dankesreden oder -schweigen aller Art werden sie immer wieder für politische Appelle genutzt. Wie jetzt in der 82. Oscar-Nacht.

»Ich möchte den Preis den Männern und Frauen im Militärdienst widmen, die jeden Tag ihr Leben riskieren in Irak, in Afghanistan und auf der ganzen Welt. Mögen sie sicher nach Hause kommen«, sagte Kathryn Bigelow, die erste Frau in der Geschichte der Oscars, die den Preis für die beste Regie gewonnen hat. Ihr Spielfilm »The Hurt Locker« – unter dem deutschen Verleihtitel »Tödliches Kommando« vergangenen Sommer in unseren Kinos – ist eine unmittelbare Auseinandersetzung mit dem US-Krieg in Irak. Ein reichlich zwei Stunden langer Thriller über Bombenentschärfer der US-Besatzungsarmee in Bagdad, der 2008 in Jordanien, dicht an der irakischen Grenze, gedreht wurde. – Für die Männer, die jeden Augenblick ihr Leben riskieren, wird der Krieg zur Droge. Sie sind keine Helden, sie sind Kriegshandwerker in beständiger Anspannung, in Hitze und Staub der Straßen und unter permanenter Todesbedrohung durch Guerillakämpfer. Wer von ihnen nach Hause zurückkehrt, ist traumatisiert, ist selbst zu einer Zeitbombe geworden, untauglich für den »normalen« Alltag.

Es ist wohl auch als Zeichensetzung der Filmacademy zu verstehen, dass der eindringliche Antikriegsfilm, neben drei Ton- und Schnitt-Preisen, auch den Oscar für das beste Originaldrehbuch bekam (Mark Boal, einst als »embedded journalist« in Irak) sowie in der Kategorie Bester Film. Als »The Hurt Locker« in den USA Kino-Start hatte, mochte das Publikum ihn nicht sehen. Mit dem Aufmerksamkeitslabel Oscar versehen, könnte sich das jetzt ändern.

Für die 58-jährige Regisseurin, die eigentlich Kunst studierte und Malerin war, dürfte nach diesem, ihrem neunten Film nun ein Heimatfilm anstehen.

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