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Von Velten Schäfer, Schwerin 09.03.2010 / Inland

NVA-Waffen im Schrank

Finanzierung eines Sat1-Films führt zu Parteienstreit in Schwerin

In dem in Stralsund und Warnemünde gedrehten Fernsehfilm »Die Grenze« spaltet die »Neue Linke« den Nordosten von Deutschland ab. Die reichlich platt wirkende Story war Mecklenburg-Vorpommern jedoch ein Zehntel seines Vierjahresbudgets in der Wirtschaftlichen Filmförderung wert.

Immerhin: 52 Prozent der Nordostler denken, es wäre ein »großer Verlust für die Bundesrepublik«, wenn ihr Land aus dieser austräte. 28 Prozent sind der Meinung, es würden dann weitere Länder folgen. Und nur jeder Fünfte glaubt, Deutschland würde nichts fehlen ohne Mecklenburg-Vorpommern.

Das will Sat1 in einer Internet-»Umfrage« ermittelt haben, mit welcher der Fernsehsender für »Die Grenze« wirbt, seinen neusten »Event-Zweiteiler«. In dem Film, der am kommenden Montag und Dienstag gesendet wird, führt ein Szenario von Terror, Arbeitslosigkeit und Gewalt zu politischer Radikalisierung und bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Deutschland. Vor allem die offenbar der NPD nachempfundene Rechtspartei DNS mit ihrem alerten Führer findet starken Zulauf.

Drehbuch voller Klischees

Irgendwann entscheidet sich die Bundesregierung in ihrer Not, quasi als Gegengift zur drohenden Rechtsdiktatur, die Partei »Neue Linke« zu unterstützen. Diese erinnert schon in den Vorab-Clips, die man bereits von dem Streifen sehen kann, recht deutlich an die Linkspartei. Bald schon greift die Neue Linke zu den alten Ein-Strich/Kein-Strich-Uniformen der NVA und schultert die Kalaschnikow. Die Abspaltung Mecklenburg-Vorpommerns kann beginnen.

Acht Millionen Euro soll das Budget des laut Sender »ergreifenden Dramas über die Machtlosigkeit von politischen Parteien« betragen haben. Entsprechend renommiert ist die Besetzung – von Regisseur Roland Suso Richter über Katja Riemann als Kanzlerin bis zu Benno Führmann, der im Film seinen Ex-Kumpel ausspionieren soll. Das ist der DNS-Führer – der, man hat es geahnt, seinerseits in seiner Jugend linksradikal war.

Rechts gleich links also mal wieder – und die Nachfolgepartei Neue Linke hat noch alte NVA-Waffen im Schrank, um bei Gelegenheit loszuschlagen gegen die Demokratie. Es ist schwer vorstellbar, wie bei derart klischeebehaftetem Stoff wenigstens ein akzeptabler Thriller-Genre-Film entstanden sein soll, bei dem der Ärger über die Dialoge nicht den Spaß an der Verfolgungsjagd überlagert.

In Schwerin wird dennoch schon gestritten: Der Film, für den knapp zwei Wochen in Stralsund und Warnemünde Außenaufnahmen gemacht wurden, erhielt von der Wirtschaftlichen Filmförderung des Landes, die beim CDU-geführten Wirtschaftsministerium angesiedelt ist, laut Presseberichten 160 000 Euro an Unterstützung. Eine Summe, von der viele andere im Land nur träumen können.

Für SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery sieht all das nicht aus wie Werbung für MV. Touristen und Investoren würden eher abgeschreckt, sagte er jetzt in der Presse. Und der langjährige frühere Linkspartei-Landeschef Peter Ritter befürchtet, seine Partei solle in dem Streifen vorgeführt werden. Ritter fragt sich nun, wie viel über den Film bekannt gewesen sei, als eine »derart hohe Förderung« gewährt wurde. Im Wirtschaftsministerium heißt es derweil, der Film zeige doch nur die »Gefahren des Extremismus für die Zivilgesellschaft«. Die Zeitungen im Nordosten schreiben bereits von einem »heftigen Streit« in Schwerin.

Und das Saarland?

Was jenseits der Parteienpolemik tatsächlich aufhorchen lässt, ist die Fördersumme. Nach den Richtlinien der Wirtschaftlichen Filmförderung können zwar sogar 200 000, ausnahmsweise 300 000 Euro an ein Projekt vergeben werden. Dennoch scheinen die 160 000 Euro für »Die Grenze« im Vergleich enorm: Insgesamt hat und hatte die Wirtschaftliche Filmförderung von 2008 bis einschließlich 2011 nur 1,6 Millionen zur Verfügung. »Die Grenze« bekam also ein glattes Zehntel des Budgets für vier Jahre.

Dabei ist streng genommen schon das Bundesland falsch gewählt – wie ausgerechnet die »Umfrage« bei Sat1 belegt. Der zufolge sitzen die wahren Spalter nämlich im Saarland: Dort glaubt fast jeder Zweite, dass Deutschland ohne sein Land nichts fehlen würde.

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