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Von Benjamin Beutler 15.03.2010 / Wirtschaft

Ausverkauf in Peru

Im Regenwald am Amazonas-Oberlauf wird nach Öl und Gas gebohrt

Die Vergabe von Öl- und Gaslizenzen in Perus Amazonas-Regenwald bedroht Umwelt und indigene Völker im Osten des Andenstaats.

Perus Regenwald erlebt einen neuen Run auf seine Bodenschätze. Eine Studie von Wissenschaftlern der Autonomen Universität Barcelona (UAB), die in Kooperation mit der US-amerikanischen Umweltschutzorganisation »Save America's Forests« erstellt wurde, drohen Biodiversität und indigene Völker in dem Andenland endgültig unter die Räder zu geraten. Die neokonservative Regierung von Präsident Alan García habe »an Gas- und Ölfirmen in den letzten vier Jahren Konzessionen vergeben wie zu keiner Zeit zuvor«, kritisieren die Autoren.

Mit 52 Konzessionen für die Erforschung, Erschließung und den Abbau von fossilen Brennstoffen haben sich Multis wie die brasilianische Petrobras oder die kanadische Petrolifera schon heute mehr als 41 Prozent des gesamten peruanischen Amazonasgebietes gesichert. Das in der Hauptstadt Lima ansässige »Institut für das Allgemeinwohl« (IBC) spricht gar von 47 Prozent. Und ein Ende ist nicht in Sicht, der Regenwald wird weiter für den Verkauf zerstückelt. »2003 deckten die Claims für Öl und Gas 15 Prozent des Urwalds ab. Heute erstrecken sie sich schon auf über 70 Prozent«, beschreibt das IBC den Trend. Den ersten Energieboom in Perus Amazonasgebiet gab es in den 70er Jahren. Auch damals war die Vermessung der Natur der erste Schritt, über 65 000 Kilometer Konzessionslinien wurden von 1972 bis 1976 durch den Dschungel gezogen.

Das Vorrücken der Öl- und Gaskonzerne fügt nicht nur der schon geschundenen Lunge der Erde massive Langzeitschäden zu: Großräumiges Abholzen, Wasserverschmutzung von Flüssen und Seen, Einzäunung riesiger Areale mit Stacheldraht und der Einsatz schwerer Maschinen sowie hunderter Arbeiter vertreiben neben Flora und Fauna auch die indigenen Völker vor Ort. »Der Großteil der Konzessionen erstreckt sich auf sensible Zonen wie staatliche Naturschutzgebiete und offiziell anerkannte Schutzgebiete der Indigenen«, vermerken die Wissenschaftler aus Spanien.

Auf die in Perus Verfassung und Bodengesetzen garantierten Eigentums- und Schutzrechte der Indigenen wird dabei keine Rücksicht genommen. Ein Fünftel der geschützten Indigenen-Reservate und fast die Hälfte der in die offiziellen Bodenregister eingetragenen Indigenen-Landrechte sind mittlerweile konzessioniert und zum Verkauf freigegeben, so die UAB-Studie.

Perus Regenwald ist eines der Gebiete mit der größten Biodiversität auf der Welt. Gerade die indigenen Völker aber sind es, welche die Natur durch nachhaltige und vorsichtige Subsistenzwirtschaft erhalten. Doch ist Präsident García allein an der »nationalen Entwicklung« interessiert. Umweltschutz und Indigenen-Rechte qualifizierte er in einem Zeitungsartikel schon 2007 als »eine Erfindung« der Feinde Perus ab. Diese wünschten sich das Land weiter »arm und unterentwickelt«. 2009 dann dekretierte er das Gesetz 1090 für Waldwirtschaft und Fauna, ein regelrechter Freibrief für Umweltzerstörung. Im »nationalen Interesse« kann seitdem jedes Stück Land verkauft werden. Auf den Protest der Indigenenorganisation »Interethnische Vereinigung für die Entwicklung des Regenwaldes« (AIDESEP) reagierte der Staat mit Polizei und Militär. In der nordperuanischen Stadt Bagua kamen im Juni letzten Jahres bei der Niederschlagung der Proteste 33 Menschen ums Leben.

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