Von Reiner Oschmann
30.03.2010

Hausbesitzer in USA »unter Wasser«

Regierung Obama will Gefahr von Zwangsversteigerungen begegnen

Barack Obama weiß, dass es mehrere Gründe für den Rückgang seiner Beliebtheit in der Bevölkerung gibt. Einer der wichtigeren ist die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit von offiziell knapp zehn Prozent (rund 15 Millionen), die sich für viele mit der Angst um Haus und Hof verbindet.

Zwangsvollstreckungen und -versteigerungen privater Häuser gehören in den USA zu den hässlichsten Gesichter der Wirtschafts- und Finanzkrise. Sie zeigen sich nicht nur denen, die ihre Arbeit verloren. Es treibt, weit in die Mittelschicht hinein, auch jene um, die den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchten. Jetzt zeigt sich, dass das Krisen- und Unruhepotenzial noch größer ist als von der Regierung im vorigen Jahr eingeschätzt. Vizefinanzminister Herbert M. Allison jr. erklärte gerade vor einem Kongressausschuss: »Wir haben die ganze Tragweite der Herausforderungen nicht voll erkannt.«

Allison bezog sich auf das im Vorjahr verkündete Programm, das gefährdeten Hausbesitzern durch Hypotheken-Erleichterungen helfen sollte. »Es hat dazu beigetragen, dass weniger als 200 000 Personen neue langfristige Kredite zu günstigeren Bedingungen bekamen«, berichtete die »New York Times«, »während inzwischen sieben Millionen Kreditnehmer mit den Rückzahlungen für ihre Hausschuld so weit im Rückstand sind, dass sie die Zwangsvollstreckung riskieren.«

Die Regierung hat nun am Wochenende neue Schritte angekündigt, die verschuldeten Hausbesitzern helfen sollen, an günstigere, staatlich gesicherte Hypotheken zu kommen. Hauseigentümer, die ihre Arbeit verloren haben oder auf Jobsuche sind, sollen für eine Übergangszeit geringere Rückzahlungen als vereinbart leisten können. In weiteren Fällen will die Regierung Kreditgeber »ermutigen«, den Wert ihrer Anleihen herabzustufen. Das soll insbesondere für die wachsende Zahl von Hausbesitzern gelten, deren Kreditlast im Gefolge der Krise größer ist als der Gesamtwert ihres Hauses. Laut »New York Times« befinden sich derzeit elf Millionen Haushalte, etwa jeder fünfte, der seine Immobilie finanziert, in dieser Situation, die als »being underwater« – unter Wasser – Eingang in den Sprachgebrauch gefunden hat.

Bis zum Hals und manchmal höher ist das Wasser vielen Hausbesitzern auch dann noch gestiegen, als erste Hilfsmaßnahmen eigentlich schon greifen sollten. Nach Angaben für das 4. Quartal 2009 wuchs die Zahl der Hausbesitzer, die mit ihrer Kreditbedienung drei Monate und mehr im Rückstand sind, um 270 000 auf 1,6 Millionen. Auch die Zahl der Zwangsvollstreckungen stieg um neun Prozent auf 128 859. In weiteren 38 000 Fällen sogenannter Short Sales gaben Besitzer Haus und Hof ab, nachdem die Kreditgeber in eine Verringerung der ausstehenden Restsummen der unglücklichen Besitzer eingewilligt hatten.

Die dramatische Lage auf dem Immobilienmarkt hat zuletzt auch zum Wuchern von Elendsbehausungen geführt. Sogenannte Hoovervilles (in Anlehnung an die Nissenhütten in der Präsidentschaft Herbert Hoovers während der Weltwirtschaftskrise) erleben in den USA ihre Wiedergänger: Zelte unter Highway-Brücken, Schlafsack-Camps an Eisenbahnlinien und Billigst-Motels werden zu Notquartieren für die Opfer der heutigen Krise – Arbeitslose, Familien, deren Häuser zwangsversteigert wurden, Kinder aus gefährdeten oder zerbrochenen Familien.

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