19.04.2010

Eine Wunde, die niemals heilt

Hunderte Überlebende kamen zu Gedenkfeiern nach Bergen-Belsen, Ravensbrück und Sachsenhausen

Mit Gedenkfeiern ist am Sonntag an die Befreiung der Konzentrationslager Bergen-Belsen, Ravensbrück und Sachsenhausen vor 65 Jahren erinnert worden.
Nadja Kalnicka aus der Ukraine, Überlebende des KZ Ravensbr
Nadja Kalnicka aus der Ukraine, Überlebende des KZ Ravensbrück Foto:dpa

Berlin (epd/ND). Im niedersächsischen Bergen-Belsen rief Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor fast 200 Überlebenden dazu auf, jeder Form von Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung entgegenzutreten. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte bei Veranstaltungen in Ravensbrück und Sachsenhausen »Ich bin jedem einzelnen der Zeitzeugen dankbar, dass er die Kraft aufbringt, an die Orte des Schreckens zurückkehren.«

In Brandenburg waren zum Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen 300, meist über 80-jährige Überlebende aus verschiedenen Nationen angereist. Der Gedenkveranstaltung in Ravensbrück schloss sich eine Feier in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg an. Dabei sagte der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, dass die wenigen Überlebenden bis heute Gefangene qualvoller Erinnerungen seien. Sie litten an einer Wunde, die niemals heile.

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen bei Celle erinnerte Niedersachsens Ministerpräsident Wulff an die 52 000 Häftlinge des Konzentrationslagers und die 20 000 Kriegsgefangenen, die dort seit 1941 umgekommen waren. »Unendlich viele Lebenszusammenhänge wurden zerstört.« Nur die Überlebenden wüssten, welchen Unterschied ein Tag, Stunden oder auch nur Minuten vor und nach der Befreiung durch britische Truppen am 15. April 1945 ausgemacht hätten. Der Präsident des Weltverbandes der Bergen-Belsen-Überlebenden, Sam Bloch, warnte vor dem Vergessen: »Die Lehren des Holocaust dürfen nicht zu einer Fußnote der Geschichte verkommen.«

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert, Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen oder durch gezielte Mordaktionen der SS ums Leben. Im KZ Ravensbrück waren zwischen 1939 und 1945 rund 133 000 Frauen und Kinder sowie 20 000 Männer aus 40 Nationen in Haft. Zehntausende wurden von der SS ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Kommentar Seite 4