Brisbane: Langsam verschwindet die beeindruckende Skyline aus dem Blick. Kaum zu glauben, dass die Stadt noch bis vor rund 20 Jahren als das »größte Provinzkaff der Welt« galt. 1824 als englische Sträflingskolonie für Schwerverbrecher gegründet, dämmerte Brisbane mehr schlecht als recht vor sich hin. Erst mit der Weltausstellung im Jahr 1988 kam der Aufschwung. Heute ist es eine quirlige, moderne und junge Stadt mit rund 1,8 Millionen Einwohnern.
Gladstone: Sieben Stunden fährt der Zug immer parallel zum Pazifik, es ist stockdunkel, wenn er in Gladstone einrollt. Aber viel zu sehen gibt es für Touristen ohnehin nicht. Die steigen hier zumeist nur aus, um im größten Jachthafen südlich des Äquators den Katamaran zu erreichen, der dort nach Heron Island, der nur einen Kilometer langen feinsandigen Insel im Great Barrier Reef startet. Das wegen seiner reichen Fauna zum Nationalpark erklärte Eiland ist auch der Geburtsort der riesigen Meeresschildkröten, die im März und April geboren werden.
Gladstone verdankt seine Existenz vor allem großen Aluminiumfunden Anfang des 19. Jahrhunderts, heute steht in dem Ort die größte Aluminiumhütte Australiens. Mit ihr wuchsen der bedeutendste Exporthafen und das größte Kohlekraftwerk Queenslands.
Rockhampton: 40 Kilometer landeinwärts vom Pazifischen Ozean in Rockhampton kann man sich im »Dreamtime Cultural Centre« sehr anschaulich über die Ureinwohner des Landes informieren. Initiatoren des Zentrums sind ausnahmslos Aborigines, die versuchen, den Besuchern ihre traditionellen Werte nahezubringen. Darstellungen dieser Art sind bis heute leider keine Selbstverständlichkeit in Australien, nach wie vor beginnt für viele die eigentliche Geschichte des Landes erst nach 1770, als James Cooks Schiff bei stürmischer See an der Ostküste in der Nähe des heutigen Sydneys strandete. Zwar hatten vor ihm schon andere Weltentdecker australischen Boden betreten, doch die beschrieben, was sie sahen, so furchterregend, dass das Interesse an der »Terra Australis incognita« (unbekanntes Land auf der Südhalbkugel) gegen null tendierte. Der Engländer William Dampier beispielsweise, der 1699 an der Nordwestküste an Land ging, notierte in sein Logbuch: »Dies ist die trostloseste Gegend, die auf Erden gefunden werden kann. Die Bewohner dieses Landes sind das armseligste Volk der Welt. Lässt man ihre menschliche Form außer Acht, unterscheiden sie sich kaum von Tieren.«
Das saß wohl tief in den Köpfen, auch wenn Cook 71 Jahre später das Land eher optimistisch beschrieb. Doch als »Abladeplatz« für ihre schlimmsten Verbrecher schien es den Engländern gut geeignet. Später wagten auch Einwanderer aus größter Armut in der Heimat den Schritt ans gefürchtete Ende der Welt. Da es dort Land im Überfluss gab und in den englischen Spinnereien und Webereien die Nachfrage nach Wolle enorm war, suchten die meisten ihr Glück als Schafzüchter.
Barcaldine: Kein Ort ist enger mit mit der australischen Arbeiterbewegung verbunden als Barcaldine, eine nur 1337 Einwohner zählende Stadt, etwa 520 Kilometer westlich von Rockhampton, die der »Spirit of the Outback« nach 22 Stunden Fahrt erreicht.
1891 traten hier rund 500 Schafscherer in einen sechsmonatigen Streik, um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzusetzen. Im Verlaufe des Streiks gab es die ersten Maidemonstrationen in der Geschichte Australiens – 1340 streikende Schafscherer gingen in Barcaldine und 600 im benachbarten Charleville auf die Straße. Zwar war der Arbeitskampf letztlich nicht von Erfolg gekrönt, doch er blieb nicht folgenlos für das politische Leben Australiens. Aus der Organisation der Schafscherer ging im gleichen Jahr die Australian Labor Party hervor, die es noch heute gibt.
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Ruhmeshalle für die Siedler in Longreach mit dem Denkmal für die weißen Helden Australiens
Foto: ND/Diehl
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Gleich neben dem Bahnhof erinnert ein besonderes Denkmal an den Streik, der Tree of Knowledge (Baum des Wissens). In seinem Schatten sollen die Streikenden ihre Versammlungen durchgeführt haben. 2006 vergifteten Unbekannte den Eukalyptusbaum mit Herbiziden. Experten versuchen derzeit, ihn zu retten.
Longreach: Von Barcaldine bis Longreach verläuft parallel zur Bahnlinie der Capricorn Highway, eine 580 Kilometer lange Straßenverbindung, die beide Orte verbindet. Sie entstand ab 1865 mit dem Bau des Schienenstrangs, auf dem man heute im »Spirit of the Outback« bequem unterwegs sein kann.
Nach 24 Stunden hat der Zug Longreach, das »Tor zum Outback«, erreicht. Hier wurde 1988 mit großem Pomp – Queen Elisabeth II. war höchstpersönlich anwesend – die »Stockmans Hall of Fame« eingeweiht. In dem imposanten Bau wird auf fünf Ebenen die Geschichte des Outbacks aus Sicht der weißen Siedler erzählt: Von der Entdeckung des lebensfeindlichen Gebietes, in dem im Sommer die Temperaturen auf 50 Grad steigen können und nachts extrem in den Keller fallen, über die Verwegenen, die das Land unter großen Opfern zu erschließen versuchten, bis hin zu den Stockmans (wie in Australien die Cowboys genannt werden), die heutigen Helden. Eine Tafel am Eingang der Ruhmeshalle verrät, dass hier die Wiege des »Australien Spirit« war, des Geistes, den viele Männer und Frauen verkörpern. Vom Geist der Aborigenes indes ist in der Hall of Fame nur wenig zu spüren. Der Umgang mit ihnen ist bis heute noch immer ein äußerst schwieriges Kapitel.
Longreach ist auch die Stadt, die untrennbar mit der Qantas, der zweitältesten Fluglinie der Welt verbunden ist. Zwar wurde sie als »Queensland and Northern Territory Aerial Services« am 16. November 1920 im 170 Kilometer entfernten Winton gegründet, zog aber schon bald noch Longreach um. 2001 entstand hier das »Qantas Founders Museum«. Bis zum 100-jährigen Jubiläum der Fluggesellschaft im Jahr 2020 soll es weiter ausgebaut werden, aber schon heute kann man unter anderem eine tipptopp restaurierte Boeing 707 sehen, die in den 50er Jahren exklusiv für arabische Scheichs eingerichtet wurde.
Winton: Zwar endet der »Spirit of the Outback« in Longreach, die Bahnlinie indes führt bis nach Winton, allerdings rollen heute nur noch Güterzüge auf dem letzten Stück. Menschen müssen den Bus nehmen, und sollten es unbedingt tun. Denn im Wintoner »Waltzing Matilda Centre« erfährt man viel über den Geist des Outbacks und die ungezählten Versuche der Weißen, hier Fuß zu fassen. Im Mittelpunkt die Geschichte von dem armen Schafscherer, der vor über 100 Jahren in Winton im Schatten eines Baumes an einem Billabong (Wasserloch) gesessen haben soll. Als er ein Schaf in seinem Proviantsack verschwinden lassen wollte, fanden das die Ordnungshüter gar nicht lustig und wollten ihn festzunehmen. Doch mit einem Sprung in den See entwischte der Mann den Häschern. Überliefert ist die Geschichte durch die Ballade »Waltzing Matilda« die der Dichter Andrew Barton Paterson, dessen Denkmal in Winton steht, 1895 aufschrieb. Sie avancierte schnell zur heimlichen Nationalhymne Australiens, und blieb es bis heute. 1956 erklang das Lied gar zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Melbourne. Jedes australische Kind kennt es. Spätestens nach einem Tag hat es auch jeder Tourist gehört, bevor er die Region verlässt, kann er sie mehr oder weniger perfekt mitsingen
Eine Bilderstrecke zur Reise finden Sie hier.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Preis: 3,00 €
Preis: 11,95 €
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