2008 konnte der Gedenkzug in Grunewald einfahren.
Foto: ND/Burkhard Lange
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Ob der »Zug der Erinnerung«, eine fahrende Ausstellung über von der Reichsbahn in der NS-Zeit deportierte Kinder und Jugendliche, wie geplant am 8. Mai in den ehemaligen Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald einfahren wird, ist fraglich. Denn bisher hat die Deutsche Bahn AG (DB) dem Gedenkzug keine Freigabe für die Gleise erteilt. Die ebenfalls geplante Einfahrt in Spandau hat die DB bereits untersagt.
Schon 2008 hatte es Konflikte zwischen dem Trägerverein der mobilen Ausstellung und dem Bahnkonzern gegeben. Damals wurde dem Zug die Zufahrt auf den Hauptbahnhof verweigert. Das Begründungsmuster hat sich seitdem nicht verändert: Die Bahn verweist auf betriebliche Gründe. In Spandau würde der Gedenkzug den Fahrplan durcheinander bringen, so ein Bahnsprecher. Also alles eine Frage der Organisation? Für diese hatte die Bahn-AG jedoch genügend Zeit. »Wir hatten die DB bereits vor zwei Monaten über unsere Planungen informiert«, sagte Hans-Rüdiger Minow, Vorstandssprecher der Bürgerinitiative (BI) »Zug der Erinnerung«.
Neben Grunewald wurden auch die von der BI eingeplanten Bahnhöfe Ahrensfelde und Schöneweide von der Bahn-AG noch nicht bestätigt. Deswegen habe man für die Zeit zwischen 8. und 20. Mai, in der sich der »Zug der Erinnerung« in Berlin aufhalten solle, keine Planungssicherheit, beklagte Minow. Die Bahn gab dagegen an, der BI Alternativen angeboten zu haben. Unter anderem einen kleineren Bahnhof in Treptow. »Auf unsere schriftliche Anfrage haben wir aber bisher keine Antwort erhalten«, sagte ein Bahnsprecher.
Um die festgefahrene Situation zu klären, hatte sich die BI an die Bundesnetzagentur gewandt, die ein Gespräch zwischen DB und der Initiative erwirken wollte. Doch dieses Vermittlungsgespräch, das am vergangenen Montag in Bonn stattfinden sollte, habe die Bahn-AG ohne Begründung abgesagt, so die Initiative. Auch gegenüber ND konnte die Bahn-AG ihr Fernbleiben nicht schlüssig erklären. Sie verwies lediglich darauf, dass die Initiative noch immer keine konkrete Uhrzeit genannt habe, wann der Gedenkzug nach Berlin kommen werde. Dies mache eine gemeinsame Planung unmöglich. »Die DB hat mit ihrer Absage deutlich gemacht, dass sie an Gesprächen mit uns nicht interessiert ist und allein bestimmen will, auf welchen Gleisen in welchen Bahnhöfen wir uns aufhalten dürfen«, meinte dagegen Minow.
Als Grund für die Blockadehaltung der DB liegt die Angst um das eigene Image nahe. Denn die Deutsche Bahn AG ist Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die im Dritten Reich Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager mitorganisierte und kräftig daran verdiente. Gut besuchte Ausstellungen wie der »Zug der Erinnerung«, die diese dunkle Vergangenheit beleuchten, sind der DB offenbar unangenehm. Sie versucht schon seit dem Start des Gedenkzuges vor zweieinhalb Jahren, ihn auszubremsen. Die BI muss nach eigenen Angaben je Schienenkilometer rund vier Euro an die Bahn-AG zahlen. Pro Ausstellungsstunde verlange der Konzern 45 Euro.
Nun scheinen die Schikanen ausgerechnet am 8. Mai, dem 65. Jahrestag der Befreiung, einen neuen Höhepunkt zu erreichen. An diesem geschichtsträchtigen Datum hat die Bürgerinitiative ausländische Holocaustopferorganisationen und die internationale Presse zum Bahnhof Grunewald eingeladen. »Wir bestehen darauf, am 8. Mai in Grunewald einzufahren«, erklärte Minow. Sollte die Zufahrt dann tatsächlich blockiert werden, müsse der Bahn-Konzern mit breiten und öffentlichkeitswirksamen Protesten rechnen.
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